Aber nicht nur zur Rechtsprechung versammelte man sich unter der Linde. In vielen Orten bereits im Mittelalter, insbesondere in Mitteleuropa bildete die sog. Dorflinde auch das Zentrum des Ortes. Dieser duftend blühende und schattenspende Baum war neben der Kirche zugleich ein kultureller Treffpunkt im Dorfleben. Bei den Dorfgemeinschaften war die Linde der Symbolbaum für Frieden und Heimat, für Harmonie und Gerechtigkeit, denn dort, wo die Linde stand war der Platz der Gemeinschaft und sie und brachte so etwas wie Geborgenheit. Hier traf man sich, um Nachrichten auszutauschen oder sich nach einer guten Wahl für eine Heirat umzuschauen. So soll auch Martin Luther geschrieben haben: „Unter den Linden pflegen wir zu singen, trinken, tanzen und fröhlich zu sein. Nicht ernsten und streiten, denn die Linde ist uns ein Freude- und Friedensbaum“.
Spätestens im Mai wurde die Dorflinde zur Tanzlinde, unter der so manches Tanzfest gefeiert wurde. Zur Tanzlinde schrieb Johann Wolfgang von Goethe in seinem Osterspaziergang: »Schon um die Linde war es voll, und alles tanzte schon wie toll«.
Und schon in den Liedern von Walter von der Vogelweide (1170 – 1230) wird der Linde das Symbol der Liebe zugesprochen: »Under der linden an der heide, da unser zweier bette was…«. Die Linde trägt die Bedeutung als Baum der Liebe, weil Ihre Blätter die Form von Herzen haben? Bekannt ist, dass das herzförmige Lindenblatt für Freundschaft, Zuneigung und Verbundenheit steht. Noch heute sind mancherorts sog. Liebeslinden zu finden.
In der Epoche der Romantik bis in die Spätromantik stand die Linde auch symbolisch für Gefühl, Leidenschaft, individuelles Leben und bildete einen Kontrast der Sehnsucht zur beginnenden Industrialisierung.
Besonders ist, dass es kulturgeschichtlich bei der Linde oft um den Einzelbaum geht. Dies erkennt man an den Namen für diesem Baum in seinem kulturellen Zusammenhang wie Dorflinde, Tanzlinde oder eben Gerichtslinde. Nach Kriegen oder schweren Krisenzeiten wie einer Pestepidemie gab es den Brauch, eine sogenannte Friedens- oder Kaiserlinde zu pflanzen.










