Ja, ich weiß: Spricht man von Beltane oder der Walpurgisnacht kommt einem sofort die Maibowle und der Waldmeister in den Sinn.
Ich möchte hier aber ein weiteres Kraut vorstellen, dass mit dem Fest der Fruchtbarkeit in Verbindung steht:
Die Brennnessel
Nicht nur, weil sie zu dem Zeitpunkt in voller Kraft steht und frisches Grün liefert, sondern auch, weil es aus den Getränken – in diesem Falle Bier – verschwunden ist, weil es ein „Feuer in den Lenden“ hervorrufen soll ... wenn das nicht zu Beltane passt ... aber dazu später mehr.
Die Brennnessel als Pflanze
Die Brennessel (Urtica dioica), auch Große Brennnessel genannt, aus der Familie der Brennnesselgewächse ist, wie der lateinische Name schon andeutet zweihäusig. Dass heißt, es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Wer also die wunderbaren Brennnesselsamen im Spätsommer ernten möchte, halte nach den weiblichen Pflanzen Ausschau, die dann an den vollgepackten herabhängenden Samensträngen erkennbar sind.
Der Gattungsname der Brennnessel leitet sich dabei vom lateinischen Wort „urere“ (= brennen) ab und verweist auf die Brennhaare der Pflanze, die beim Kontakt mit der Haut Schmerzen und Quaddeln verursachen. Andere Namen dieser altbekannten Heilpflanze sind auch Hanfnessel, Saunessel, Donnernessel, Feuerkraut oder Teufelskraut.
Brennnessel-Arten sind windbestäubt und sind keine Nektarpflanzen für Insekten. Aber dafür sind Brennnesseln eine sehr wichtige Futterpflanze für Schmetterlingsraupen. Für die Raupen von fast 50 Schmetterlingsarten sind die Brennnesseln eine Futterpflanze. Die Schmetterlingsarten wie der Admiral, das Tagpfauenauge, der Kleine Fuchs, den man auch Nesselfalter nennt, und das Landkärtchen sind beispielsweise auf die Brennnessel angewiesen, denn andere Pflanzenarten kommen für diese Arten als Futterpflanze nicht in Betracht.
In Deutschland kommen noch die Kleine Brennnessel (ihre Brennhaare sind schmerzhafter finde ich), die Röhricht-Brennnessel und die Pillen-Brennnessel vor. Alle Arten werden in ähnlicher Weise genutzt.
Es ist schwierig, die Brennnessel mit anderen Pflanzen zu verwechseln, da ihre Eigenschaft mit Brennhaaren ausgestattet zu sein spätestens beim Pflücken bemerkt wird. Wird man nicht mit Schmerzen begrüßt, hat man wahrscheinlich die Taubnessel erwischt, die ebenfalls essbar ist, aber medizinisch anders verwendet wird.
Die Brennnessel kommt weltweit vor (mit Ausnahme der Antarktis). Ein starker Brennnesselbestand gilt allgemein als Zeiger für einen stickstoffreichen Boden. Man findet sie daher auf früher besiedelten Gebieten, weil es dort zu einer größeren Ansammlung von stickstoffhaltigen Substanzen wie Kompost, Exkrementen und dergleichen kam. Ihre Eigenschaft als Stickstoffanzeiger führte allerdings auch dazu, dass auf Luftbildern nach großen Brennnesselbeständen gesucht wurde, um an den Stellen nach Massengräbern nach den Weltkriegen zu schauen ...
Die Brennnessel und ihre Geschichte und Symbolik
Die Brennnessel hat eine lange Geschichte in der Welt der Spirits. Als Symbol für Stärke, Intuition und Weisheit wurde sie in vielen Kulturen verehrt.
So war sie bei den Wikingern beispielsweise ein Symbol für Widerstandskraft und Schutz.
Durch ihre Eigenschaft bei Berührung ein Brennen zu verursachen brachte ihr den Glauben ein, sie sei eine Pflanze für eine starke Abwehr gegen böse Geister und negative Einflüsse. Brennnesseln wurden als eine Art Schutzschild um den Hof oder in der Nähe der Haustür angepflanzt oder aufgehängt, um das Heim vor schädlichen Einflüssen und böse Geister zu bewahren. Aber auch das Tragen von einem Beutel mit getrockneten Brennnesseln oder das Räuchern von Brennnesselsamen (insbesondere in der Walpurgisnacht) galt als ein Schutz vor Teufel, Hexen, Geistern, Feuer und Blitzen.
Die Brennnessel war den ganzen Frühling hindurch ein wichtiges Schutz- und Glückskraut: Brennnesselpfannkuchen am Johannistag gegessen, sollte vor dem Zauber von Elfen schützen. Man sagte auch, dass, wenn man Brennnesselgemüse am Gründonnerstag isst, man vor Geldsorgen geschützt ist.
Im Frühling, der Zeit der Liebe und insbesondere zu Beltane wurde die Brennnessel ein Symbol für unerwiderte Liebe und es kam vor, dass manch einer sie als Liebesgeißel nutzte und sich damit peitschte.
Die Brennnessel und die Mythologie
Die Brennnessel spielte auch eine bedeutende Rolle in der nordischen Mythologie. Wie ihr Name „Donnernessel“ zeigt, wurde sie mit dem Gott Thor Verbindung gebracht. Ihre stechenden Blätter symbolisierten Thors Stärke und die Macht seiner Blitze. Durch die Verwendung der Brennnessel war man durch Thor geschützt. Die Verbindung der Brennnessel mit dem Gott des Donners zeigt ihre Bedeutung als Symbol für Durchhaltevermögen und Wehrhaftigkeit. Bei Gewittern oder Stürmen warfen die Menschen Brennnesselbündel als Opfergabe für Thor ins Feuer und baten um Schutz vor den Blitzen.
Eine andere Eigenschaft, die die Menschen früher nutzten, findet man im Märchen „Die wilden Schwäne“ von Hans Christian Andersen, in dem ein Mädchen, um ihre elf Brüder von einem Fluch in Schwäne verzaubert zu sein zu erlösen, schweigend elf Jahre lang aus der Brennnessel Hemden herstellen muss. Sie sammelte nachts Brennnessel von Friedhöfen, was ein Hinweis darauf sein könnte, dass Brennnessel Einfluss auf die Ahnenlinien haben könnte und damit die Kraft, die Familienlinie neu zu verknüpfen und alte Wunden zu heilen.
Achtung Spoiler: Um es kurz zu machen: Sie schaffte es, trotz der Brennhaare der Brennnessel. Nur einem Hemd fehlte ein Ärmel. Ihr Bruder, der dieses Hemd zur Erlösung von dem Zauber trug, behielt ein leben lang einen Schwanenflügel und wurde zu einem der größten Schamanen seiner Zeit, da er in zwei Welten gleichzeitig lebte …
Die Gebrüder Grimm kannten dieses Märchen als „Die zwölf Brüder“ und manchmal liest man von Raben statt von Schwänen. In England schrieb William Butler Yeats die Version „The Twelve Wild Geese“. Die wohl ursprünglichste und auch älteste Version dieses Mythos ist die irische Sage der Kinder von Lir, Oidheadh Chlainne Lir.
Die Brennnessel und die Kleidung
Wie man aus dem Märchen erkennen kann wurde die Brennnessel auch zur Herstellung von Fasern verwendet, aus denen Kleidung, Segeltuch und Seile gefertigt wurden. Die langen, zähen Fasern der Brennnessel waren ideal, um strapazierfähige Stoffe herzustellen. Spätestens seit der Bronzezeit versorgten Brennnesseln die Menschen mit Fasern zum Weben von Stoffen, Leinen und Papier. Brennnesseln haben eine so starke Faser, dass bei der Ausgrabung von 2000 Jahre alten Gräbern noch intakte Kleidung aus Brennnessel zutage gefördert wurde.
Ich fand heraus, dass meine Vorfahren aus dem Münsterland so genannte Nesselweber waren, die Nesselstoffe herstellten.
Auch heute versucht man, die Brennnessel als Rohstoff für die Textilindustrie zu nutzen. Aber diese Pflanze ist sehr eigenwillig und lässt sich nicht auf großen, Flächen erntefreundlich anbauen…. Sehr wild, die gute….
Die Brennnessel in Medizin und Kosmetik
Die Brennnessel wurde auch als Heilkraut verwendet, denn sie gilt volksmedizinisch als appetitanregend, stoffwechselanregend, entgiftend, blutbildend, und wurde auch bei Frühjahrsmüdigkeit eigesetzt. Sie ist reich an den Vitaminen C und A, Mineralstoffen Eisen und Kalzium,
Chlorophyll und Antioxidantien. Ideal zur Kräftigung im Frühling nach einem langen harten Winter. Die Pflanze wurde auch als Tee oder Tonikum eingenommen, um den Körper nach langen Reisen oder anstrengenden Kämpfen zu stärken und wieder aufzufüllen. Brennnesseltee wird noch heute als Mittel zur Entgiftung verwendet, das den Körper von innen heraus reinigt und den Stoffwechsel anregen soll. Ihre blutreinigenden und entzündungshemmenden Eigenschaften machen die Brennnessel zu einer der vielseitigsten Heilpflanzen.
Bei einer längeren Brennnesselkur sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und den Mineralstoffhaushalt geachtet werden. Ebenso bei Herz- oder Nierenerkrankungen mit eingeschränkter Flüssigkeitsaufnahme und starken Harnwegsbeschwerden ist eine ärztliche Abklärung notwendig.
Aber auch äußerlich wurde auf die Brennnessel zurückgegriffen: Eine Freundin erzählte mir, dass sie schon als Kind an Rheuma litt und daher während der Kuraufenthalte durch Brennnesselbüsche laufen sollte…unschön aber wirkungsvoll, denn die Brennhaare erzeugen ein langanhaltendes Wärmegefühl, fördert die Durchblutung und eignet sich deshalb hervorragend bei schmerzenden Gelenken, Rheuma- oder Ischiasbeschwerden.
In der Volksmedizin diente die Brennnessel zur Linderung von Hautproblemen wie. Ein Aufguss aus Brennnesselblättern wurde oft als Waschung verwendet, um die Haut zu beruhigen und Entzündungen zu lindern. In Shampoos und Hautpflegeprodukten verwendet man die Brennnessel gern, um das Haar zu kräftigen und die Haut zu beruhigen. Insbesondere als Bestandteil von Haarwasser ist die Brennnessel bekannt. Da wir gerade bei den Haaren sind: Der Genuss von Brennnesselsamen führt durch die vielen Nährstoffe zu glänzenden Haaren, was nicht nur von Menschen genutzt wird: Manch ein Hundebesitzer bringt das Fell seiner Tiere durch das Füttern von Brennnesselsamen zum Glänzen.