Pflanzen zum Jahreskreisfest
Imbolc - Das Schneeglöckchen

Fotos: pixabay
In unseren Gefilden gilt das kleine Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) als heimisch. Der lateinische Name Galanthus heißt "Milchblume". Schneeglöckchen werden aber auch Februar-Mädchen, Lichtmess-Glöckchen, Lichtmessglocken, Marienkerzen, weiße Jungfrau oder wenig schmeichelhaft, Weißglatze genannt. Die Vielzahl der Namen deutet darauf hin, dass es ein wichtiges Symbol in der europäischen Kultur eingenommen hat.
Die Blütezeit beginnt je nach Witterung bereits im Januar oder Februar und reicht bis in den März hinein. Sie sind besonders widerstandsfähig und trotzen selbst Schnee und Frost. Sie bevorzugen feuchte, nährstoffreiche Böden und wachsen in Wäldern, Gärten und Parkanlagen.
Botanisch gesehen ist es ein Frühblüher, was es nur deshalb schafft, weil es eine Zwiebel als Wurzelspeicherorgan besitzt. Die darin enthaltenen Nährstoffe erlauben es ihm, sich schon so früh im Jahr in der freien Landschaft zu zeigen. Wenn erst einmal die Bäume belaubt sind würde zu wenig Licht für das Schneeglöckchen auf den Boden scheinen, so dass es weit vor dem Laubaustrieb erwacht. Schneeglöckchen sind für Bienen und andere Insekten eine wichtige Nahrungsquelle. Da sie früh im Jahr blühen, bieten sie Pollen und Nektar zu einer Zeit, in der viele andere Pflanzen noch nicht blühen. Besonders Wildbienen profitieren von den Blüten. Da Schneeglöckchen oft in naturnahen Wäldern wachsen, sind sie auch ein Indikator für gesunde Ökosysteme. Leider sind einige Arten aufgrund von Lebensraumverlust und illegalem Sammeln gefährdet.
Das Schneeglöckchen und seine Symbolik
Durch die Besonderheit der sehr frühen Blütezeit das Schneeglöckchen es tief in der europäischen Kultur verankert. Seit jeher galt und gilt es noch heute als Vorbote des Frühlings, als Zeichen des Neubeginns und der Hoffnung.
Bereits in vorchristlicher Zeit war das Schneeglöckchen bei keltischen und germanischen Stämmen ein Symbol für den Sieg des Lichts über die Dunkelheit und den Triumph des Lebens über den Winter. Es wurde auch ein Vermittler zwischen den Welten und somit auch ein Symbol für Transformation.
Während keltischer der Imbolc-Zeremonie nahm das Schneeglöckchen eine zentrale Rolle ein, denn sie galten als erste Boten der Göttin Brighid. Die Blüten markierten den heiligen Moment des Übergangs vom Winter zum Frühling in keltischen Kalendern.
Auch in weiteren Ritualen fand das Schneeglöckchen schon früh Verwendung, welche noch lange nach der Einführung des Christentums in ähnlicher Form beibehalten wurden.
Schon keltische Stämme nutzten Schneeglöckchen in rituellen Waschungen in Reinigungszeremonien, um negative Energien zu entfernen und Körper sowie Geist auf den Frühling vorzubereiten.
Das Schneeglöckchen als Orakel
Manch ein Druide interpretierte das Blühmuster von Schneeglöckchen (es gibt viele verschiedene Arten von Schneeglöckchen) als ein Orakel für das kommende Jahr und die Ernte. Auch später noch in Bayern diente das Schneeglöckchen der Wettervorhersage, denn die Bauern deuteten die Blühdichte von Schneeglöckchen als Vorhersage für die Härte des kommenden Winters und planten entsprechend ihre Aussaat.
Das Schneeglöckchen als Schutz
Das Schneeglöckchen wurde aber auch als Talisman benutzt: Junge Krieger trugen getrocknete Schneeglöckchen als Amulette, um Mut und Klarheit in Schlachten zu bewahren.
Getrocknete Schneeglöckchen wurden auch später noch in kleine Leinensäckchen genäht und als Talisman bei sich getragen. Dabei galten insbesondere die an Lichtmess gesammelten Blüten als besonders kraftvoll. Diese Amulette sollten Ihren Träger vor Unglück, Krankheit und negativen Einflüssen schützen, während Sie gleichzeitig Glück in geschäftlichen Unternehmungen und zwischenmenschlichen Beziehungen bringen sollten. Mithilfe spezieller Rituale die das Sammeln der Blüten bei Sonnenaufgang, das Sprechen bestimmter Schutzformeln und das Aufbewahren in geweihten Behältnissen beinhalteten wurde die Schneeglöckchenblüten zum Talisman. Die genaue Ausführung dieser Praktiken wurde mündlich von Generation zu Generation weitergegeben und bildete einen wichtigen Bestandteil der lokalen Schutzmythen.
Fand man ein einzelnes Schneeglöckchen, so sollte man sich damit über die geschlossenen Augen streichen. Das verhieß Schutz vor Krankheit für das ganze Jahr.
Aus der Slowakei ist überliefert, dass die Zwiebeln der Schneeglöckchen traditionell an Kühe verfüttert wurden, damit ihnen die Hexen nicht die Milch stehlen.
Bei germanischen Stämmen wurde das Schneeglöckchen um ihre Wohnstätten gepflanzt, weil die glaubten, dass Schneeglöckchen könne dunkle Mächte fernhalten und so vor Geistern schützen. Auch später noch pflanzte man in Schwaben Schneeglöckchen rings um die Höfe, da man glaubte, sie würden böse Hausgeister fernhalten und Glück ins Heim bringen.

Das Schneeglöckchen und die Liebe
Als Symbol für Hoffnung und Neubeginn wurde das Schneeglöckchen auch für Fruchtbarkeitsrituale und Orakel verwendet. So legten Junge Frauen in Sachsen Schneeglöckchen unter ihr Kopfkissen, um von Ihrem zukünftigen Ehemann zu träumen. Im Rheinland gingen kinderlose Paare zu Schneeglöckchen und baten um Kindersegen, während Sie Blütenblätter in fließendes Wasser streuten. Schüchterne Männer, die nicht wagten ihre Auserwählte anzusprechen, trugen ein Schneeglöckchen am Revers, so dass diese wusste, was er für sie empfand.
In der Blumensprache erhielt das Schneeglöckchen die Bedeutung für jugendliche, reine Liebe. Darüber hinaus gilt die zarte Blume als Symbol des Trostes. Deutsche Dichter der Romantik entdeckten in Schneeglöckchen ein perfektes Motiv für Ihre poetischen Werke als Symbole für unschuldige Sehnsucht und melancholische Schönheit.
Das Schneeglöckchen im Christentum
Das Christentum erkannte früh das spirituelle Potenzial der Schneeglöckchen und integrierte Sie in die religiöse Symbolik. Hier steht es als Zeichen der Jungfräulichkeit Marias und der Auferstehung Christi. Nach einer christlichen Erzählung verwandelte ein Engel fliegende Schneeflocken in Blumen, um Adam und Eva neue Hoffnung zu geben, nachdem sie aus dem Garten Eden vertrieben waren.
Als lebende Erinnerung an die Reinheit des Glaubens und die Verheißung des ewigen Lebens kultivierten Klöster diese Blüten gezielt in Ihren Gärten. Die weiße Farbe der Blütenblätter wurde hier als Manifestation göttlicher Gnade interpretiert, während Ihr Erscheinen im Spätwinter als Symbol für die Hoffnung auf Erlösung galt.
Im Mittelalter wurde die Schneeglöckchen-Blüte, insbesondere während der Fastenzeit und des Marienfestes Lichtmess ein wichtiges Symbol. Die ersten Schneeglöckchen des Jahres wurden in den Klöstern Europas gesegnet und als heilige Reliquien behandelt. Auch in kirchlichen Kunstwerken fand das Schneeglöckchen seinen Platz, wodurch ihre christliche Symbolik tief in der kollektiven Spiritualität verankert wurde.
Das Schneeglöckchen heute in der Medizin und Kosmetik
Es wird angenommen, dass das Schneeglöckchen vor dem Zweiten Weltkrieg in Europa keine Rolle als Arznei spielte. Vereinzelt war es medizinisch wohl in Gebrauch. So sind etwa in der "Cynosura Materiae Medicae Continuata" einige medizinische Anwendungen beschrieben. Medizinisch wurde das Schneeglöckchen beispielsweise auch im Schwarzwald benutzt. Die bei Mondschein gesammelten Schneeglöckchen-Zwiebeln wurden für Salben gegen Rheuma und Gelenkschmerzen verwendet. Da Schneeglöckchen heute als giftig eingestuft werden, ist von einer Nachahmung abzuraten. Schneeglöckchen enthalten Alkaloide, die für Menschen und Tiere giftig sind. Besonders in den Zwiebeln ist die Konzentration hoch. Beim Verzehr können Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auftreten.
In anderen Verbreitungsgebieten hat die Verwendung von Schneeglöckchen als Heilpflanze jedoch Tradition. Als Hydrobromidsalz ist es beispielsweise in Bulgarien und anderen Ländern Ost- und Zentraleuropas unter dem Handelsnamen Nivalin® seit 1958 zugelassen. In den letzten Jahren ist der Wirkstoff Galanthamin fokussiert worden. Der Extrakt soll helfen, den Prozess der neurologischen Degeneration bei der Alzheimer-Krankheit zu verlangsamen. Darüber hinaus sind Anwendungen als Schmerzmittel und Mittel gegen Kinderlähmung dokumentiert.
Forschungen mit dem Kaukasus-Schneeglöckchen, bestätigten inzwischen seine traditionelle Nutzung. Auch gegen Hautkrebs wirksame Bestandteile wurden identifiziert.
Wegen des steigenden Bedarfs an Galanthamin, waren etwa die Schneeglöckchen-Wildbestände in Bulgarien bedroht. Die Entwicklung einer Methode zur industriellen synthetischen Herstellung, macht die Medikamenten-Produktion inzwischen von den natürlichen Ressourcen unabhängig.
Rumänische Wissenschaftler entdeckten ihre antioxidative Kraft. Das macht sie zu einem begehrten Wirkstoff für Anti-Aging-Produkte. Beliebt ist Schneeglöckchen-Kosmetik dagegen in Fernost. Nach einem koreanischen Patent, soll eine Formulierung mit Galanthus nivalis Samen-Extrakt feuchtigkeitsspendende, aufhellende und die Hautelastizität bessernde Wirkungen haben.
Tina Igelbrink
Fotos: pixabay













