Pflanzen zu den Jahreskreisfesten
Alban Eilir - Bärlauch

Bärlauch ist in vielen europäischen Wäldern heimisch und bekannt für seinen würzigen, knoblauchähnlichen Geschmack. Die in manchen Gebieten heute noch übliche Bezeichnung "Ramser" oder "Rämsch" führt zum althochdeutschen Ausdruck "ramsada". Der mittelhochdeutsche Begriff "Rams" findet sich noch heute in vielen Ortsnamen, beispielsweise Ramsloh oder Ramsau.
Den Bärlauch findet man im zeitigen Frühling in feuchten Wäldern und gern an Bachläufen. Er wächst gerne in Buchenwäldern und Senken in denen sich das Wasser sammelt. Am Geruch kann ihn schon von weitem riechen. Dort bildet er dichte Teppiche aus großen, glänzenden, lanzettlichen Blättern, die fast den gesamten Boden bedecken.
Der Bärlauch und seine Symbolik
Die Pflanze galt schon zur Zeit der Germanen als Symbol des Frühlings und der Erneuerung. Es wurde angenommen, dass es den Körper von den letzten Winterkrankheiten reinigt und neue Lebensenergie verleiht. Mit seiner intensiven Wirkung auf das Immunsystem und seiner Fähigkeit, den Körper zu stärken zeigt der Bärlauch die wiederkehrende Kraft der Natur. Diese Erkenntnis konnte man in frühen Zeiten bei den Bären beobachten: Nach ihrem Winterschlaf im Frühling fressen Bären als erstes den Bärlauch. Man glaubte, dass er den Bären nach dem Winter ihre Kraft zurückgibt.
Schon in der germanischen Mythologie war der Bärlauch dem Bären geweiht. Man glaubte, dass er Männlichkeit und Stärke verleihe und den Menschen vor bösen Geistern schütze. Der Bär war in vielen Kulturen ein heiliges Tier und symbolisierte Kraft, Mut, Stärke und Wildheit und fand Einzug im Brauchtum der Winteraustreibung und des Aufweckens des Frühlings. Aber auch außerhalb Europas war der Bär ein wichtiges Symbol, wie Darstellungen von Medizinmännern zeigen. Die Kraft des Bären sollte durch das Einhüllen in sein Fell auf den medizinkundigen "Schamanen" übergehen. Eine ähnliche Analogie findet sich in vielen Mythen im Bild des Bären als ein verwandelter Mensch wie das Märchen Schneeweißchen und Rosenrot zeigt.
Der Bärlauch als Schutz
Im Mittelalter galt der Bärlauch in vielen Kulturen als Schutzpflanze. Man sagte ihm nach, böse Geister abzuwehren und das Heim vor Unglück zu schützen. Er wurde oft in Bündeln in Haus und Hof gehängt, um Schutz zu bieten, das Böse zu vertreiben und sogar Krankheiten abzuwehren.
In Thüringen feierte man bis ins 20. Jahrhundert das Ramschelfest. Der Bärlauch, der am ersten Sonntag vor Walpurgis gesammelt wurde, sollte Schutz gegen böse Geister und Hexen bringen. Man glaubte, dass der starke Geruch des Bärlauchs die Hexen vertreiben konnte, so wie auch der Knoblauch ein Schutz vor Vampiren bieten soll.
Der Bärlauch ist also mit der Übergangszeit von Alban Eilier und Beltane verbunden. Ende April beziehungsweise Anfang Mai erreicht der Bärlauch sein Optimum an wirksamen Bestandteilen.

Der Bärlauch und das Christentum
Im Christentum wurde der Bär leider als Teufelssymbol dämonisiert und somit auch der Bärlauch verteufelt: Sein starker Geruch wurde als unrein angesehen. Die Wirkung, die er auf die Fruchtbarkeit hatte, führten dazu, dass man ihn auch mit dem Teufel assoziierte und deshalb aus dem Wege ging. Sogar das Bild des Teufels als Bär ist ein altes Motiv in der Mythologie.
Der Bärlauch in Medizin und Kosmetik
Schon die Römer und Griechen verwendeten Bärlauch als Heilpflanze, besonders um die Verdauung zu fördern und den Blutdruck zu senken.
In der Volksmedizin spielte der Bärlauch ebenfalls eine wichtige Rolle. Man nahm an, dass er gegen Frühjahrsmüdigkeit, Erkältungen, Bluthochdruck und Verdauungsbeschwerden hilft. Ich persönlich setzte eine Tinktur mit Bärlauch und Giersch an, die ich bei Frühjahrsmüdigkeit einsetze (Achtung, die ist sehr intensiv und scharf).In der modernen Medizin findet er Verwendung als Antibiotikum, antivirales Mittel, sowie als Entzündungshemmer.
In der Küche ist er flexibel einsetzbar, wie der Knoblauch auch. In Suppen, Rührei, Gemüse oder Nudelgerichten und Brotaufstrichen. Ich konserviere den Bärlauch, indem ich ihn mit Olivenöl in ein Glas schichte und im Kühlschrank aufbewahre oder eine Bärlauchbutter herstelle und diese in kleinen Portionen einfriere. Beliebt ist auch das Bärlauchsalz eine Mischung aus pürierten Bärlauchblättern und Salz, die getrocknet wird, oder in Essig eingelegte Bärlauchblüten.
Bärlauch sammeln mit Vorsicht!
Beim Sammeln sollte man aufpassen, dass man ihn nicht mit dem giftigen Maiglöckchen und der Herbstzeitlosen verwechselt. Durch das illegale entsorgen von Gartenabfällen in Wäldern kommt es gern zu Pflanzengesellschaften mit Kulturpflanzen, die eigentlich gar nicht im Wald vorkommen würden. So hat sich schon manches Maiglöckchen im Wald zwischen Bärlauch verirrt. Gerade wenn man versucht, den Bärlauch in großen Büscheln zu pflücken, ist die Gefahr da, ein anderes Kraut mit zu erwischen. Maiglöckchen und Herbstzeitlose sind sehr giftig, so dass ein Blatt im Pesto ausreicht, um im Krankenhaus zu landen was oft tödlich endet. Etwas, was man jedes Jahr wieder in der Zeitung lesen kann! Daher bitte: Bärlauchblätter einzeln und achtsam pflücken. Die sog. Handstraußregel verbietet ohnehin, den Bärlauch eimerweise aus dem Wald zu holen. Leider wird immer öfter beobachtet, dass Menschen ganze Wäschekörbe voll aus dem Wald tragen und ihn dann verkaufen, was nicht nur illegal ist, sondern auch langfristig der Pflanze und ihrem dem Lebensraum schadet.
Autorin: Tina Igelbrink
Fotos: pixabay











