Pflanzen zu den Jahreskreisfesten

Tina Igelbrink • 20. Juni 2026

Alban Hefin - Sommersonnwende - Johanniskraut

Die Sommersonnenwende, charakterisiert durch den längsten Tag des Jahres, beging man in vorchristlicher Zeit, mit einem mehrere Tage dauernden Fest. Noch heute lebt diese einst heilige Zeremonie vor allem in den Bräuchen vieler Völker weiter. Zur Sommersonnenwende wurden schon immer einige Kräuter verwendet, da viele zu dieser Zeit in ihrer größten Kraft stehen. Eins dieser Kräuter ist das Johanniskraut, das seinen Namen vom Johannistag am 24. Juni hat. Ebenso wie zur Sommersonnenwende, entfachte man in der Johannisnacht ein Feuer. Die Kraft des Sonnenwendfeuers nahmen die Menschen etwa durch wilde Tänze oder durch Sprünge über das Feuer in sich auf. Diese Handlungen sind, da sie wohl auch gern unbekleidet gemacht wurden, aus dem Brauchtum nicht zuletzt durch den Einfluss der christlichen Kirche verschwunden. Mancherorts findet man noch Bräuche, die das Feuer und Licht weiterhin beinhalten. So ließ man brennende Strohballen bergab rollen oder veranstaltete Fackelprozessionen. Gerade dieses Feuer wird auch durch das Johanniskraut symbolisiert.
 

Das Johanniskraut als Pflanze



Das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) wird seit Jahrhunderten als Heil- und Schutzkraut genutzt. Es trägt seinen Namen aufgrund seiner Blütezeit um den Johannistag am 24. Juni, in den Tagen Sommersonnenwende. Es wurde aber auch aufgrund seiner festen Struktur Hartheu genannt. Des Weiteren kannte man es unter den Namen Herrgottsblut, Johanneskraut, Gewöhnliches Johanniskraut, Durchlöchertes Johanniskraut, Tüpfel-Johanniskraut oder Tüpfel-Hartheu.

Das echte Johanniskraut erkennt man an den leicht perforierten Blättern. Hält man ein Blatt gegen das Licht, kann man weiße (leere Öldrüsen, „Löcher“) und schwarze Punkte (gefüllte Öldrüsen) erkennen. Man erzählte sich, der Teufel habe vor Wut mit einer Nadel Löcher in das Johanniskraut gestochen, weil der durch den Schutz dieses Krauts im Rocksaum eines jungen Mädchens ebendieses nicht verführen konnte…..

Wenn man die Blüten zerdrückt, kommt ein roter Saft hervor. Daran ist es gut zu erkennen.

Das Johanniskraut findet man als heimische Pflanzen von Europa bis China und westlichen Nordafrika. In Nord- und Teilen Südamerikas sowie in Australien, Japan und Korea findet man das Echte Johanniskraut auch, gilt dort aber als ein Neophyt.

Das Johanniskraut wächst verbreitet in Gebüsch-, Wald- und Wegrändern, in Magerwiesen, auf Brachen oder auf Bahnschotter als eine der ersten neuen Pflanzen.

Das Johanniskraut und seine Symbolik


Auch die Zeit von Alban Hefin galt als eine magische Zeit und war somit ein guter Zeitpunkt, die Geister anzurufen und ihre Kräfte zum Schutz von Ernte, Vieh Gesundheit und Wohlstand zu nutzen.

Aromatische Kräuter und Pflanzen mit gelben Blüten, die zu dieser Zeit in ihrer Hauptkraft stehen, schützte man, wie in vorchristlicher Zeit üblich, Heim und Hof.

So wurde auch das gelbe Johanniskraut Teil des „Maria-Bettstroh“, das man in das Bett von Gebärenden legte, damit die Geburt gut verlief.


Gern wurden Kränze, Gürtel und Sträußchen aus Johanniskraut, Eichenlaub, Kamille und Beifuß geflochten und zum Sommersonnenwendfest getragen. Die Kränze oder Gürtel legte man unter das Kopfkissen. So wollte man für Glück und Liebe sorgen. Unsere Altvorderen hängten es an Türen und Fenster auf, um Haus und Hof vor Unheil zu schützen, da es als Träger der der Sonnenkraft gilt.

Auch wurde Johanniskraut unter den Esstisch gestreut, um Glück und Gesundheit zu fördern und negative Kräfte abzuhalten. Johanniskraut zur Zeit der Sonnenwende gepflückt gilt als besonders wirksam. Gab man es dann dem Vieh zu fressen sollte es vor vielerlei Krankheit schützen. 

Geräuchert half es schließlich auch gegen Zahnweh, Gicht und Rheuma, so sagte man.

Man sagt, dass das Johanniskraut das licht des Sommers einspeichert und dann im Winter wieder freigibt. Deshalb wird es zu den Rauhnächten und der Wintersonnenwende ebenfalls gern genutzt. 

Es symbolisiert hier das Licht in der Dunkelheit und wird verwendet, um Schutz und Zuversicht zu stärken. Sein warmer, etwas balsamischer Duft bringt Sonne des Sommers ins Herz. Es gilt als nervenstärkend und bringt seelische Balance. Besonders in Ritualen des Neubeginns und der Lichtverbindung entfaltet es seine Kraft. Man sagt ihm nach, dass es Licht in dunkle Gedanken bringt und die Lebenskraft stärkt. Diese stimmungsaufhellende Wirkung wird auch in der Medizin genutzt.


Das Johanniskraut in der Medizin


Der enthaltene rote Farbstoff Hypericin, den man beim Zerreiben der Blüten gut erkennen kann, hat antidepressive* Wirkung und wird als pflanzliche Alternative zu Antidepressiva eingesetzt. (*Eine Depression ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, die ärztlicher Abklärung bedarf. Die alleinige Einnahme von Johanniskraut ist in nahezu allen Fällen nicht ausreichend!)

Daher gilt das Johanniskraut, das wieder das Licht ins herz oder der Selle bringt, als stimmungsaufhellend und nervenberuhigend bei Nervosität. Man kann es räuchern, als Tee zubereiten oder auch in Kapselform einnehmen. Aber es lässt sich auch gut äußerlich anwenden:

Aus dem Johanniskrautblütenständen und Pflanzenöl lässt sich durch einen Ölauszug (Kalt-Mazeration) das bekannte Rotöl herstellen, bei dem der rote Pflanzenfarbstoff in das Auszugsöl übergeht und es rot einfärbt. Das Rotöl wird volksmedizinisch bei Nervenschmerzen oder Wunden der Haut und Sonnenbrand äußerlich verwendet. Spannend ist, dass es die Haut gegenüber der Sonne empfindlicher macht, aber bei bestehendem Sonnenbrand heilend wirken kann.

 

Bei der Verwendung von Johanniskraut ist generell zu beachten, dass es die Wirkung anderer Medikamente beeinflussen kann, so dass es besser ist, zuvor einen Arzt um Rat zu fragen und Wechselwirkungen abzuklären. Auch kann es beim Menschen phototoxisch wirken, was bedeutet, dass die Haut gegenüber Sonneneinstrahlung empfindlicher wird, weshalb in dieser Zeit von einem Sonnenbad und intensiver Sonneneinstrahlung vorsichtshalber abzuraten ist.


Tipp: Wer sich für die Vielfalt der Bräuche und Heilpflanzen zu den Sonnenwenden interessiert, dem sei das Buch „Die Magie der Sonnenwenden: Rituale und Pflanzenwissen – Bedeutung und Brauchtum rund um die Sonnenwenden“ von Wolf-Dieter Storl aus dem GU-Verlag empfohlen

 

Tina Igelbrink


Fotos: pixabay und Tina Igelbrink

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Ja, ich weiß: Spricht man von Beltane oder der Walpurgisnacht kommt einem sofort die Maibowle und der Waldmeister in den Sinn. Ich möchte hier aber ein weiteres Kraut vorstellen, dass mit dem Fest der Fruchtbarkeit in Verbindung steht: Die Brennnessel Nicht nur, weil sie zu dem Zeitpunkt in voller Kraft steht und frisches Grün liefert, sondern auch, weil es aus den Getränken – in diesem Falle Bier – verschwunden ist, weil es ein „Feuer in den Lenden“ hervorrufen soll ... wenn das nicht zu Beltane passt ... aber dazu später mehr. Die Brennnessel als Pflanze Die Brennessel (Urtica dioica), auch Große Brennnessel genannt, aus der Familie der Brennnesselgewächse ist, wie der lateinische Name schon andeutet zweihäusig. Dass heißt, es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Wer also die wunderbaren Brennnesselsamen im Spätsommer ernten möchte, halte nach den weiblichen Pflanzen Ausschau, die dann an den vollgepackten herabhängenden Samensträngen erkennbar sind. Der Gattungsname der Brennnessel leitet sich dabei vom lateinischen Wort „urere“ (= brennen) ab und verweist auf die Brennhaare der Pflanze, die beim Kontakt mit der Haut Schmerzen und Quaddeln verursachen. Andere Namen dieser altbekannten Heilpflanze sind auch Hanfnessel, Saunessel, Donnernessel, Feuerkraut oder Teufelskraut. Brennnessel-Arten sind windbestäubt und sind keine Nektarpflanzen für Insekten. Aber dafür sind Brennnesseln eine sehr wichtige Futterpflanze für Schmetterlingsraupen. Für die Raupen von fast 50 Schmetterlingsarten sind die Brennnesseln eine Futterpflanze. Die Schmetterlingsarten wie der Admiral, das Tagpfauenauge, der Kleine Fuchs, den man auch Nesselfalter nennt, und das Landkärtchen sind beispielsweise auf die Brennnessel angewiesen, denn andere Pflanzenarten kommen für diese Arten als Futterpflanze nicht in Betracht. In Deutschland kommen noch die Kleine Brennnessel (ihre Brennhaare sind schmerzhafter finde ich), die Röhricht-Brennnessel und die Pillen-Brennnessel vor. Alle Arten werden in ähnlicher Weise genutzt. Es ist schwierig, die Brennnessel mit anderen Pflanzen zu verwechseln, da ihre Eigenschaft mit Brennhaaren ausgestattet zu sein spätestens beim Pflücken bemerkt wird. Wird man nicht mit Schmerzen begrüßt, hat man wahrscheinlich die Taubnessel erwischt, die ebenfalls essbar ist, aber medizinisch anders verwendet wird. Die Brennnessel kommt weltweit vor (mit Ausnahme der Antarktis). Ein starker Brennnesselbestand gilt allgemein als Zeiger für einen stickstoffreichen Boden. Man findet sie daher auf früher besiedelten Gebieten, weil es dort zu einer größeren Ansammlung von stickstoffhaltigen Substanzen wie Kompost, Exkrementen und dergleichen kam. Ihre Eigenschaft als Stickstoffanzeiger führte allerdings auch dazu, dass auf Luftbildern nach großen Brennnesselbeständen gesucht wurde, um an den Stellen nach Massengräbern nach den Weltkriegen zu schauen ... Die Brennnessel und ihre Geschichte und Symbolik Die Brennnessel hat eine lange Geschichte in der Welt der Spirits. Als Symbol für Stärke, Intuition und Weisheit wurde sie in vielen Kulturen verehrt. So war sie bei den Wikingern beispielsweise ein Symbol für Widerstandskraft und Schutz. Durch ihre Eigenschaft bei Berührung ein Brennen zu verursachen brachte ihr den Glauben ein, sie sei eine Pflanze für eine starke Abwehr gegen böse Geister und negative Einflüsse. Brennnesseln wurden als eine Art Schutzschild um den Hof oder in der Nähe der Haustür angepflanzt oder aufgehängt, um das Heim vor schädlichen Einflüssen und böse Geister zu bewahren. Aber auch das Tragen von einem Beutel mit getrockneten Brennnesseln oder das Räuchern von Brennnesselsamen (insbesondere in der Walpurgisnacht) galt als ein Schutz vor Teufel, Hexen, Geistern, Feuer und Blitzen. Die Brennnessel war den ganzen Frühling hindurch ein wichtiges Schutz- und Glückskraut: Brennnesselpfannkuchen am Johannistag gegessen, sollte vor dem Zauber von Elfen schützen. Man sagte auch, dass, wenn man Brennnesselgemüse am Gründonnerstag isst, man vor Geldsorgen geschützt ist. Im Frühling, der Zeit der Liebe und insbesondere zu Beltane wurde die Brennnessel ein Symbol für unerwiderte Liebe und es kam vor, dass manch einer sie als Liebesgeißel nutzte und sich damit peitschte.
von Anam Cara 22. März 2026
Lorsque je suis arrivé à Herbstein, j’ai eu l’impression que cet endroit m’accueillait comme une vieille amie. Dès mes premiers pas, une familiarité tranquille flottait dans l’air – presque comme si le sol lui-même reconnaissait mes pas. Je me suis plongé dans le charme hivernal et sombre de cette région, où le silence parle son propre langage et où chaque respiration me relie plus profondément à la terre. Au-dessus de moi, des grimpereaux, des mésanges et des moineaux chantaient – leurs voix étaient un doux salut du printemps à venir. Des écureuils s'affairaient entre les branches, et alors que l'obscurité enveloppait le jour, le cri d'une chouette m'a procuré un sentiment de calme et de sécurité. Cette nuit-là, un ciel d'une rare clarté s'est ouvert au-dessus du village de vacances. Les constellations semblaient me murmurer des histoires, et je sentais mes pensées s’envoler au loin – au-delà des forêts, vers des aspirations et des objectifs enfouis au plus profond de moi. Sous ce firmament scintillant, chaque mot, chaque sourire et chaque pensée semblait prendre tout son sens. Je sentais que tout ce qui est visible n’est qu’une partie d’un tissu plus vaste qui nous relie les uns aux autres. Ce tissu – aussi fin que la lumière dans la rosée du matin, aussi solide que les racines des vieux arbres – est devenu pour moi le symbole de notre thème : « Weaving the Web ». Je pouvais littéralement sentir comment les idées, les actions et les rencontres s’entremêlent pour former un réseau vivant : l’homme et la nature, le passé et l’avenir, le rêve et l’action. Chaque fil que nous tissons ensemble,apporte sa propre touche d'éclat à l'ensemble. Dans le sol gelé, j’ai déchiffré les traces du gibier – de discrets récits de la vie nocturne invisible, qui continue de suivre son cours dans un ordre silencieux. La rivière, sauvage et indomptable, délimitait un espace où la nature et l’homme peuvent respirer côte à côte. Je me suis laissée porter entre bosquets, sentiers enchantés et clairières ouvertes – des lieux qui invitent à s’attarder, à rêver et à écouter. Une énergie particulière et lumineuse imprégnait cet endroit. Je la sentais dans le vent, dans les branches, dans la mousse sous mes pieds. C'était comme si les gardiens de cette terre nous observaient d'un regard bienveillant – comme s'ils voulaient dire : « Vous êtes les bienvenus. » À la fin de notre cercle, un renard est apparu. Silencieux, vigilant, majestueux. Pour moi, il était un messager entre les mondes – l'animal totem de notre cercle, qui nous protégeait et me confirmait que nous étions sur la bonne voie. C’est ainsi que ce week-end de préparation à Herbstein m’a fait ses adieux, comme une compagne qui me chuchote : « Continue. » Je suis revenue en tant que membre d’une communauté qui relie le visible au mystérieux – avec en moi une étincelle porteuse d’idées, de confiance et de la certitude que chaque pas, aussi petit soit-il, fait partie d’un grand chemin commun. Anam Cara photo: Anna Oakflower
von Anam Cara 22. März 2026
When I arrived in Herbstein, it felt as though the place was welcoming me like an old friend. From the very first step, there was a quiet familiarity in the air – almost as if the ground itself recognised my footsteps. I immersed myself in the wintry, sombre charm of this land, where silence speaks its own language and every breath connects me more deeply with the earth. Above me, tree creepers, titmice and sparrows called out – their voices a quiet greeting of the coming spring. Squirrels scurried busily between the branches, and as darkness enveloped the day, the call of a tawny owl gave me a sense of peace and security. That night, a sky of rare clarity opened up above the holiday village. The constellations seemed to whisper stories to me, and I felt my thoughts drifting far away – beyond the forests, towards longings and goals that lie deep within me. Beneath this sparkling firmament, every word, every smile and every thought felt meaningful. I sensed that everything visible is merely part of a greater fabric that connects us all. This web – as delicate as the light in the morning dew, as strong as the roots of ancient trees – became for me a symbol of our theme: ‘Weaving the Web’. I could literally feel ideas, actions and encounters weaving themselves into a living web: humanity and nature, past and future, dream and deed. Every thread we spin together brings its own radiance to the whole. In the frozen ground, I read the tracks of the wildlife – quiet tales of the invisible life of the night, which continues to unfold in its silent order. The river, wild and unyielding, defined a space where nature and humanity are allowed to breathe side by side. I let myself drift amongst groves of trees, enchanted paths and open glades – places that invite one to linger, dream and listen. A peculiar, luminous energy permeated this place. I felt it in the wind, in the branches, in the moss beneath my feet. It was as though the guardians of this land were watching over us with a benevolent gaze – as if to say: “You are welcome.” As our circle drew to a close, a fox appeared. Quiet, alert, dignified. To me, it was a messenger between worlds – the spirit animal of our circle, protecting us and confirming to me that we are on the right path. And so this planning weekend in Herbstein bid me farewell like a companion whispering to me: “Keep going.” I returned as part of a community that connects the visible with the mysterious – with a spark within me that carries ideas, confidence and the knowledge that every step, however small, is part of a great shared journey. Anam Cara pictures: Anna Oakflower
von Tina Igelbrink 21. März 2026
Bärlauch Pflanzen Jahreskreis
von Anam Cara 17. März 2026
vAls ich in Herbstein ankam, fühlte es sich an, als würde mich der Ort wie eine alte Freundin empfangen. Schon beim ersten Schritt lag eine stille Vertrautheit in der Luft – fast so, als erkenne der Boden selbst meine Schritte. Ich tauchte ein in den winterlich-düsteren Charme dieses Landes, wo die Stille ihre eigene Sprache spricht und jeder Atemzug mich tiefer mit der Erde verbindet. Über mir riefen Baumläufer, Meisen und Spatzen – ihre Stimmen ein leiser Gruß des kommenden Frühlings. Eichhörnchen huschten geschäftig zwischen den Zweigen, und als die Dunkelheit den Tag umhüllte, schenkte mir der Ruf eines Waldkauzes ein Gefühl von Ruhe und Geborgenheit. In jener Nacht öffnete sich über dem Feriendorf ein Himmel von seltener Klarheit. Die Sternbilder schienen mir Geschichten zuzuflüstern, und ich spürte, wie meine Gedanken weit hinausdrifteten – über die Wälder hinweg, hin zu Sehnsüchten und Zielen, die tief in mir liegen. Unter diesem funkelnden Firmament fühlte sich jedes Wort, jedes Lächeln und jeder Gedanke bedeutungsvoll an. Ich spürte, dass alles Sichtbare nur Teil eines größeren Gewebes ist, das uns miteinander verbindet. Dieses Gewebe – fein wie das Licht im Morgentau, stark wie die Wurzeln alter Bäume – wurde für mich zum Sinnbild unseres Themas: „Weaving the Web“. Ich konnte förmlich fühlen, wie sich Ideen, Handlungen und Begegnungen zu einem lebendigen Netz verweben: Mensch und Natur, Vergangenheit und Zukunft, Traum und Tat. Jeder Faden, den wir gemeinsam spinnen, trägt seinen eigenen Glanz in das Ganze. Im gefrorenen Boden las ich die Spuren des Wildes – leise Erzählungen vom unsichtbaren Leben der Nacht, das in seiner stillen Ordnung weiterwirkt. Der Fluss, wild und unbeugsam, begrenzte dabei einen Raum, in dem Natur und Mensch nebeneinander atmen dürfen. Ich ließ mich treiben zwischen Baumgruppen, verwunschenen Pfaden und offenen Lichtungen – Orte, die zum Verweilen, Träumen und Lauschen einladen. Eine eigentümliche, helle Energie durchzog diesen Ort. Ich spürte sie im Wind, in den Ästen, im Moos unter meinen Füßen. Es war, als beobachteten uns die Hüter dieses Landes mit einem wohlwollenden Blick – als wollten sie sagen: „Ihr seid willkommen.“ Beim Abschluss unseres Kreises erschien ein Fuchs. Leise, wachsam, würdevoll. Für mich war er ein Bote zwischen den Welten – das Krafttier unseres Kreises, das uns schützte und mir bestätigte, dass wir auf dem richtigen Weg sind. So verabschiedete mich dieses Planungswochenende in Herbstein wie eine Gefährtin, die mir zuflüstert: „Geh weiter.“ Ich kehrte zurück als Teil einer Gemeinschaft, die das sichtbare mit dem geheimnisvollen verbindet – mit einem Funken in mir, der Ideen, Zuversicht und das Wissen trägt, dass jeder noch so kleine Schritt Teil eines großen gemeinsamen Weges ist. Anam Cara