Kräuter zu den Jahreskreisfesten - Samhain
Samhain - Wacholder

Samhain markiert das Ende des Sommers und sein Name bedeutet so viel wie „Sommerende“. Es ist ein energetischer Wendepunkt, denn er markiert den Beginn der dunklen Jahreszeit. Es ist ein uraltes keltisches Fest, das heute oft mit Halloween assoziiert wird, aber viel tiefere spirituelle und naturbezogene Wurzeln besitzt. Mit Samhain beginnt die dunkle Jahreshälfte, die Natur zieht sich zurück, Tiere suchen Schutz, und auch wir Menschen sind eingeladen, zur Ruhe zu kommen, nach innen zu blicken und Loslassen zu üben. Samhain gilt als das letzte der drei Erntedankfeste des Jahreskreises. Bereits zu Lughnasadh im August und Alban Elfed im September wurde der Natur für die reiche Ernte gedankt. Mit Samhain wird die dunkle Jahreshälfte eingeläutet und die Ernte- und Sammelzeit ist nun abgeschlossen.
Auch für mich persönlich ist es der Beginn einer Phase, in der ich keine Kräuter und Heilpflanzen mehr sammle, weil sie nun so wie ich in eine Ruhe- und Erholungsphase gehen. Die Pflanzen gelten nun als puka (nicht mehr für die Menschen verwendbar). Ich beginne mit dem Sammeln erst wieder zu Imbolc, wenn die Natur wieder erwacht und sich das erste frische Grün zeigt. Um mit den Pflanzen in Kontakt zu treten, muss man sie in dieser Zeit auch nicht zwangsläufig ernten.
Eine Pflanze, die für mich in enger Verbindung mit dem Fest Samhain steht, ist der Wacholder, der das ganze Jahr über theoretisch geentet werden kann, so dass eine Verwendung zu Samhain nichts im Wege steht.
Der Wacholder als Pflanze
Der Gemeine Wacholder (Juniperus communis) wächst aufrecht oder kriechend als Strauch oder Baum mit kurzem Stamm (bis über 12 Meter) und hat ein tiefreichendes Wurzelsystem. Er kann bis zu 600 Jahre alt werden und gehört zur Familie der Zypressengewächse. In Mitteleuropa kommen nur der Gemeine Wacholder und der Sadebaum als heimische Arten vor.
Der Wacholder ist zweihäusig, es gibt also weiblichen und männliche Wacholder. Die beerenförmigen weiblichen Zapfen, die als Wacholderbeeren bezeichnet werden, sind ei- bis kugelförmig und haben einen Durchmesser von bis zu zwei cm. Sie benötigen bis zur Reife ein bis zwei Jahre und verfärben sich bläulich und bleiben geschlossen.
Wacholder-Arten kommen vorwiegend auf der Nordhalbkugel der Erde auf trockenen Böden (Sand, Heide, Steppe, Halbwüste) vor. Er bevorzugt eher trockene, meist basenreiche, oft kalkhaltige Böden und ist eine Lichtpflanze. Daher kann er auf Freiflächen, die für andere Pflanzenarten ungünstig sind, wie auf sandigen Böden oder trockenen Weiden sehr dominant sein. Die Gebiete mit Wacholder in Deutschland sind oft sekundär durch Weidenutzung entstanden, da der Wacholder vom Vieh nicht verbissen wird, wie man es in der Lüneburger Heide sehen kann.
Der Gemeine Wacholder wird von der Weltnaturschutzunion in der Roten Liste gefährdeter Arten geführt und darf in freier Wildbahn daher nicht gepflückt oder abgeerntet werden. Traditionell ist seine Sammelzeit (aus dem eigenen Garten!)beispielsweise bei Sonnenaufgang Ende Juli oder in den Wintermonaten, wie zur Wintersonnenwende und in den Rauhnächten. Nach dem Volksglauben sollen Wacholderbeeren, die zu Heilzwecken gebraucht werden, am Sonnwendtag in der Mittagsstunde oder am Rochustag (16. August, er war der Pest-Schutzheilige) gepflückt werden.
Die Früchte des Gemeinen Wacholders gelten als schwach giftig und können zu bei Hautkontakt oder durch Essen zu Reizungen führen.
Zum Räuchern verwendet werden die Beeren, die Nadeln und Zweigspitzen. Alles muss vorher getrocknet werden. Es verströmt bei einer Räucherung einen stark warmen, aromatischen und harzigen Geruch.
Der Wacholder und seine vielen Namen
Der Gemeine Wacholder (Juniperus communis), auch unter Heide-Wacholder bekannt hat viele Namen. Diese vielen Namen deuten auf frühe Verwendung und magische Bedeutung hin. So kennt man ihn, je nach Region als Queckholter (mittelhochdeutsch), Quickholder, Reckholder/Reckholter, Weckholder, Stechbaum, Kranawitterstrauch, Krammetsbaum, Kranewitt, Kronabit, Machandel, Machandelboom, Machandelbaum, Jochandel, Räucherstrauch, Wachandel, Wachtelbeerstrauch, Wecholter (althochdeutsch, mittelhochdeutsch: wëcholtër), Feuerbaum oder Weihrauchbaum.
Sehr alt ist dabei die Bezeichnung queckolder, in der der Baum als der „Lebenskräftige“ bezeichnet wird (queck)
Im Niederdeutschen wird der Wacholder auch als Machandelbaum (oder nur Machangel) genannt, was vor allem in Grimms Märchen und einigen Gedichten zu lesen ist. Unter anderem in Österreich und Teilen Bayerns ist der Wacholder unter der Bezeichnung Kranewitt bekannt, was Kranichholz bedeutet, zurückgeht.
Der Wacholder in Geschichte, Symbolik und Brauchtum
Der Wacholder erfreut sich seit alters besonders bei den germanischen Völkern einer hohen Verehrung. Weil er schon so lange vom Menschen genutzt wird, ranken sich eine Vielzahl von Symbolen, Ritualen und Brauchtümer um diese Pflanze.
Bei unseren Altvorderen war der Wacholder eine so hochgeschätzte Pflanze, dass es üblich war, im Vorbeigehen den Hut zu ziehen, da man glaubte, dass in dem Wacholder die Ahnen weiterlebten. Ähnliches ist auch vom Holunder bekannt. Ein Aspekt, der auch für Samhain nicht unbedeutend ist. In vorchristlicher Zeit kennzeichnete der Wacholder auch den Eingang in die Unterwelt und Germanen sollen mit Wacholderholz ihre Toten verbrannt haben. Gleichzeitig gilt der Wacholder wie auch die Hasel als Fruchtbarkeitssymbol. Wenn der Wacholder fruchtbar ist, werden viele Jungen geboren. Ungewöhnlich ist das nicht, sorgen doch unsere Ahnen dafür, dass ihre Linie fortbesteht und sind mancherorts auch für die Fruchtbarkeit zuständig.
Eine der ursprünglichsten Nutzformen ist die der Räucherung. Man vermutet, dass er schon zur Steinzeit von Menschen als Räuchermittel Verwendung gefunden hat. Räuchern mit dem Wacholder hat somit eine lange Tradition, wie man an der Vielzahl seiner Namen erahnen kann.
Als Räucherstoff wird er noch heute zur Reinigung und Schutz vor negativen Energien genutzt. Der Wacholder soll die Aufmerksamkeit generell und sogar die Gabe der Prophezeiung verstärken. Man nutzte Wacholder-Räucherungen, um Menschen mit neuer Lebensenergie aufzuladen und die Gefühlswelt zu reinigen, wenn man negativen Schwingungen von anderen Menschen ausgesetzt war. Deshalb ist Wacholder auch zur Raumreinigung sehr beliebt. Wacholderbeeren auf glühenden Kohlen liegend wurden im Mittelalter in Räucherpfannen durch die Krankenzimmer getragen, um Schutz in Pest-Epidemien oder zur Desinfizierung der Zimmer zu bewirken.
Zu Samhain ist der Wacholder deshalb so beliebt, weil er negative Energien abwehren soll. Symbolisch zeigt dieses Räucherwerk herumirrenden Seelen ihren Weg wieder zurück. Da ist die Idee nicht weit, dass der Wacholder den Neid der Menschen fernhält und Hexen und Dämonen vertreibt. Diese waren dafür verantwortlich, so glaubte man, für angezauberte Krankheiten und Verfluchungen. Ein Brauch, der mancherorts an den Weihnachtstagen Anwendung fand, war das Anbringen von Zweigen über die Stalltüren, um Hexen fernzuhalten.
Es gab noch mehr Rituale zum Schutz für Haus und Hof. Um das Haus vor bösen Geistern zu bewahren war es in Norddeutschland üblich, einen Wacholderstrauch beim Hausbau unter den Grundstein mit einzugraben.
So ein Wacholderstrauch, rechts an der Haustür, gepflanzt, schützte vor Einbruch, übler Nachrede und Verhexung. Alternativ konnte auch ein Wacholderzweige über die Haustür hängen. Unauffälliger war es, Wacholderbeeren unter Türschwellen zu legen, um negativen Menschen vom Eintritt abzuhalten. War man unterwegs konnte man sich mit einem Amulett vor Krankheit und negativer Energie schützen: Dafür wurden die Wacholderbeeren getrocknet, als Kette aufgezogen und um den Hals getragen. Andererseits wurde dem Wacholder nachgesagt, dass Hexen und Dämonen ihn für ihre Zauberei verwendeten.
Auch Brauchtum rund um das Vieh und dem Wacholder gab es ebenfalls zahlreich:
Räuchert man mit männlichem Wacholder die Kühe zur Zeit des Neumondes ab, so nehmen sie an Gewicht zu. Gleichzeitig durfte man das Vieh nie mit einer Wacholderrute schlagen oder antreiben, weil das Vieh dann abmagerte. Die Begründung war, dass sich der Teufel einst am Wacholder erhängt hatte.
Auch im Christentum blieb der Wacholder und seine magische Wirkung erhalten, wie man am Beispiel der Epilepsie lesen kann: So sagte man, dass es gegen Epilepsie helfe, wenn man ein Amulett mit 14 Wacholderbeeren bei sich trägt. Aber nicht irgendwelche! Diese Wacholderbeeren müssen an Maria Himmelfahrt gesammelt sein, vor, während und nach dem Pflücken muss ein Rosenkranz gebetet werden. Damit aber nicht genug: Das Amulett selbst darf nur in der Christnacht zwischen 11 und 12 Uhr angefertigt werden. Dabei muss man bei jeder Beere, die in den Beutel gelegt wird, je ein Vaterunser zu einem dieser Märtyrer bzw. Nothelfer beten.
Der Wacholder in der Medizin
Der Wacholder eignet sich, so der Volksglaube, besonders zum "Übertragen" (dem so genannten „Wenden“) von Krankheiten.
Der Gemeine Wacholder gilt als schwach giftig, er ist haut bzw. auch nierenreizend. Da er Parasorbinsäure enthält, sollte man ihn nicht roh zu sich nehmen. Seine Beeren werden als harntreibend und keimtötend beschrieben.
Aufgrund seiner reizenden Eigenschaften wird Wacholder in der Rheuma- und Gicht-Therapie traditionell äußerlich eingesetzt.
Volksmedizinisch kann Wacholder innerlich bei Magen-Darm-Krämpfen, Völlegefühl und Blähungen sowie Sodbrennen eingesetzt werden. Die Verwendung der Wacholderbeeren als Purgiermittel (Erbrechenherbeiführendes Mittel) ist bei uns bereits für das Mittelalter belegt. In Ägypten wurde schon um 1550 v. Chr. Wacholder als Abführmittel erwähnt.
Bekannt ist auch seine durchblutungsfördernde Wirkung und sein Einsatz als entwässernde Droge, welche die Durchblutung der Nieren und damit die Ausscheidung von Primärharn erhöhen kann. Wacholder sollte nicht bei chronischer Niereninsuffizienz eingesetzt werden, da die Verwendung des Wacholders dann zu Nierenschäden führen kann.
In der Veterinärmedizin wurden Wacholderbeeren in der Vergangenheit als Mittel gegen Durchfall eingesetzt.
Früher sagte man, wenn Wanderer bei einer Erschöpfung unter einem Wacholderbusch sich niedersetzten, um sich ein wenig auszuruhen, dass sie in kürzester Zeit wieder guten Mutes ihrer Wege gehen konnten.
Der Wacholder in Küche und Haushalt
Die Beeren des Wacholders werden, nachdem sie erhitzt wurden, für Gelee, Likör, Sauerkrautbeigabe oder Wildgerichte gern verwendet.
Bekannt für sein Wacholderaroma ist der Wacholderschnaps Gin. Auch andere Spirituosen wie Krambambuli und Steinhäger gibt die Wacholderbeere die spezielle Geschmacksnote. Aber auch als Aroma für Root Beer findet er Verwendung. In Skandinavien werden junge Wacholderbeerzweige gern bei der Bierherstellung genommen.
Wacholderbeeren sind in der europäischen Küche (insbesondere in der Alpenregion) ein wichtiges Gewürz. Die Beeren, die ja eigentlich Zapfen sind, sollten unmittelbar vor der Verwendung zerdrückt werden.
Die getrocknete Wacholderbeere findet man gerne bei der Zubereitung von Sauerkraut (milchsauervergorener Weißkohl) und Fleischzubereitungen wie Sauer- oder Wildbraten. Aber auch als Zugabe von Pökelmischungen oder zum traditionellen Räuchern von Fleisch und Fisch (über Wacholderholzspäne) wird der Wacholder häufig verwendet. Immer öfter findet man kleine Wacholderpflanzen im Topf in der Kräuterabteilung von Gartenmärkten, mit dem Hinweis, ihn zur glühenden Grillkohle zu geben, um den Geschmack des Grill-Fleisches zu verfeinern. So hat der Wacholder Einzug in meinen Garten erhalten, weil ich das Pflänzchen eingepflanzt habe, statt es zu verräuchern. Heute ist er ein wunderschöner großer Strauch, der meinen kleinen Garten magisch bereichert.
Tina Igelbrink









