Europas Naturspiriualität

Andreas Trampenau • 17. November 2022

Europäischer Schamanismus und Druidentum - eine persönliche Sichtweise 

Zum Ende der 80er Jahre hat mich zum ersten Mal etwas aktiv berührt, was zu jener Zeit seine Begrifflichkeit im New Age, einem neuen Zeitalter gefunden hat: Spiritualität. Meine ersten Begegnungen damit waren für mich absolut faszinierend, ja magisch und doch brauchte es noch einige Jahre, bis ich mich auf diese, für mich neue Erfahrungsebene voll und ganz einlassen konnte und wollte. Es war eine immense Vielfalt, die mir da begegnete. Rückblickend hatte ich den Eindruck, dass alle Weisheiten, spirituellen Traditionen und Religionen mit ihren Lehrern nach Deutschland (und vielleicht auch Mitteleuropa) kamen, um hier zu wirken. Es war fast so, als würde in dieser Region der Erde ein spirituelles Vakuum vorherrschen, das gefüllt werden wollte. Der Hunger nach Sinn und Bedeutung unseres Seins schien unerschöpflich. Alle meine Erfahrungen öffneten mir Türen für ein universelles Verständnis von Bewußtsein und Spiritualität und sie führten mich letztendlich wieder an einen Ort zurück, von dem aus meine wundervolle Reise begann. Zurück in meine Heimat, nach Süddeutschland, seinen Bergen, Flüssen, Wäldern und Wiesen. Rückblickend entstand dabei in mir auch die Frage, wie es denn um die spirituellen Wurzeln Mitteleuropas bestellt ist? Was ist hier verloren gegangen oder in Vergessenheit geraten? Wie haben zu früheren Zeiten hier unsere Altvorderen ihre Naturspiritualität gelebt und erfahren?


Für diesen Artikel habe ich ein wenig recherchiert und bin bei Wikipedia auf eine Weltkarte gestoßen, welche die Verbreitung des Schamanismus im 15. Jahrhundert darstellt. Darauf erkennt man zwei große Bereiche, die sozusagen „Schamanismus-frei“ sind: Europa und der nördliche Teil von Afrika. Mit der Darstellung auf dieser Weltkarte ist jedoch die persönliche Auffassung des Autors verbunden, wie er Schamanismus interpretiert und sie darf auch in diesem Kontext so gesehen und verstanden werden. Wer sich selbst auf den Weg macht, um herauszufinden, was Schamanismus ist und dafür z.B. die unendlichen Weiten des Internets nutzt, wird eine Fülle von unterschiedlichen Beschreibungen, Vorstellungen und Überzeugungen dazu vorfinden. Und vermutlich ist nicht eine davon von wirklich allgemeingültiger Natur.


 

Schamanismus in Europa


Die grundsätzliche Frage: „Gab oder gibt es in Europa überhaupt so etwas wie Schamanismus?“ und was man darunter versteht, ist demnach nicht leicht zu beantworten. Es braucht dafür vielleicht einen eigenen, persönlichen Zugang dazu. Allein der Begriff an sich scheint seine Wortschöpfung in Sibirien gefunden zu haben und steht seither als Synonym für eine globale Naturspiritualität. Michael Harner ist mit seinem Projekt „Foundation of Shamanic Studies“ sehr mit dieser Namensgebung verbunden. Er hat untersucht, welche schamanischen Techniken unabhängig von kulturellen Ausformungen weltweit existieren, dabei die kulturellen Formen des Schamanismus von dessen Handwerk gelöst und diese Techniken zu etwas zusammengefasst, was er als Core-Schamanismus bezeichnet. Meine Erfahrung damit ist, dass dieses „Handwerk“ funktioniert. Der Spirit, der diesem Ganzen zugrunde liegt, erfährt hier meiner Meinung nach jedoch zu wenig Beachtung. Zumindest habe ich in M. Harner´s Kontext keinen befriedigenden Zugang dazu gefunden.




 

moderner Druide im Schildkröten Kostüm

Europäische Naturspiritualität


Naturspiritualität als Wortschöpfung taugt mir besser als der Begriff „Schamanismus“. Auf der einen Seite existiert für mich das Wesen der Naturspiritualität unabhängig von den Gewändern der jeweiligen Kulturen, mit der sie ihre regional angepasste und gestaltete Form annimmt und so das spirituelle Weltverständnis der Völker individuell abbildet und beschreibt. Die Bereiche und Landschaften der Nichtalltäglichen Wirklichkeit mit all ihrer Vielfalt, ihrer Geographie, ihren Bewohnern sind überall präsent. Zumindest auf unserer Erde gibt es wohl keinen Ort, der nicht davon durchdrungen ist. Die in ihnen wirkenden Gesetzmäßigkeiten und ihre Ordnungsprinzipien mögen sich von denen der alltäglichen Wirklichkeit unterscheiden und doch widersprechen sie nicht unserem gewohnten Erleben, wie unsere alltägliche Welt funktioniert.

Auf der anderen Seite ist das Land, seine Beschaffenheit und seine Persönlichkeit der Nährboden für die Gestaltung einer spezifischen spirituellen Kultur und eine Basis für die Welten, die sich darüber hinaus ins Universum verweben.

Aus diesem Nährboden heraus ist in diesem Kontext auch das Druidentum entstanden. Es hat etwas von: „Das Land und sein Wesen „formt“ die Menschen“. Die Geologie, die Wetter, das Wirken der Elemente Erde, Wasser, Feuer, Luft gestalten in ihrem Zusammenspiel eine einzigartige Beziehung mit Mensch und Tier - finden Ausdruck im tieferen Verständnis der Existenz und des Lebens. Gut möglich, dass aus diesem Verständnis heraus teilweise auch das, was sich heute als Naturwissenschaft versteht, entstanden ist.

Aus diesem Kontext heraus ist unsere mitteleuropäische Naturspiritualität nie wirklich verloren gegangen. Die keltischen Jahreskreisfeste und das damit verbundene Rad des Lebens mit all seinen Stationen sind in anderen Gewändern bis heute präsent und werden gelebt. Vieles davon vielleicht nur oberflächlich und dennoch fehlt oft nicht viel, um die Türen wieder ganz zu öffnen. Es ist nicht wirklich schwer, wieder an das Wissen und die Erfahrung vergangener Zeitalter anzuknüpfen und einzutauchen in etwas, was uns in unserem Innersten berührt. Es gibt aktuell eine ganze Reihe von Gemeinschaften, die sich diesem Anliegen verschrieben haben.

Auch mit dem Order of Bards, Ovates and Druids (OBOD) hat der Spirit unseres Landes in seiner druidischen Form wieder Zugang in unsere moderne Welt gefunden und befreit von den Altlasten der Vergangenheit eine Plattform geschaffen, auf der sich Menschen wieder in diesem Kontext zusammenfinden und das Leben feiern können. Eine Form der Naturspiritualität, die dem heutigen Zeitalter angemessen ist und vorwärtsgewandt an der Gestaltung unserer Welt aktiv beteiligt ist.

Liebe Freunde, Weggefährten und Interessierte: In diesem Sinne: You´re welcome.

Andreas Trampenau


Text: Andreas Trampenau

Fotos : Bettina Danninger und Anna Oakflower

# druidentum #europa #schamanismus  # naturspiritualität

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Ja, ich weiß: Spricht man von Beltane oder der Walpurgisnacht kommt einem sofort die Maibowle und der Waldmeister in den Sinn. Ich möchte hier aber ein weiteres Kraut vorstellen, dass mit dem Fest der Fruchtbarkeit in Verbindung steht: Die Brennnessel Nicht nur, weil sie zu dem Zeitpunkt in voller Kraft steht und frisches Grün liefert, sondern auch, weil es aus den Getränken – in diesem Falle Bier – verschwunden ist, weil es ein „Feuer in den Lenden“ hervorrufen soll ... wenn das nicht zu Beltane passt ... aber dazu später mehr. Die Brennnessel als Pflanze Die Brennessel (Urtica dioica), auch Große Brennnessel genannt, aus der Familie der Brennnesselgewächse ist, wie der lateinische Name schon andeutet zweihäusig. Dass heißt, es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Wer also die wunderbaren Brennnesselsamen im Spätsommer ernten möchte, halte nach den weiblichen Pflanzen Ausschau, die dann an den vollgepackten herabhängenden Samensträngen erkennbar sind. Der Gattungsname der Brennnessel leitet sich dabei vom lateinischen Wort „urere“ (= brennen) ab und verweist auf die Brennhaare der Pflanze, die beim Kontakt mit der Haut Schmerzen und Quaddeln verursachen. Andere Namen dieser altbekannten Heilpflanze sind auch Hanfnessel, Saunessel, Donnernessel, Feuerkraut oder Teufelskraut. Brennnessel-Arten sind windbestäubt und sind keine Nektarpflanzen für Insekten. Aber dafür sind Brennnesseln eine sehr wichtige Futterpflanze für Schmetterlingsraupen. Für die Raupen von fast 50 Schmetterlingsarten sind die Brennnesseln eine Futterpflanze. Die Schmetterlingsarten wie der Admiral, das Tagpfauenauge, der Kleine Fuchs, den man auch Nesselfalter nennt, und das Landkärtchen sind beispielsweise auf die Brennnessel angewiesen, denn andere Pflanzenarten kommen für diese Arten als Futterpflanze nicht in Betracht. In Deutschland kommen noch die Kleine Brennnessel (ihre Brennhaare sind schmerzhafter finde ich), die Röhricht-Brennnessel und die Pillen-Brennnessel vor. Alle Arten werden in ähnlicher Weise genutzt. Es ist schwierig, die Brennnessel mit anderen Pflanzen zu verwechseln, da ihre Eigenschaft mit Brennhaaren ausgestattet zu sein spätestens beim Pflücken bemerkt wird. Wird man nicht mit Schmerzen begrüßt, hat man wahrscheinlich die Taubnessel erwischt, die ebenfalls essbar ist, aber medizinisch anders verwendet wird. Die Brennnessel kommt weltweit vor (mit Ausnahme der Antarktis). Ein starker Brennnesselbestand gilt allgemein als Zeiger für einen stickstoffreichen Boden. Man findet sie daher auf früher besiedelten Gebieten, weil es dort zu einer größeren Ansammlung von stickstoffhaltigen Substanzen wie Kompost, Exkrementen und dergleichen kam. Ihre Eigenschaft als Stickstoffanzeiger führte allerdings auch dazu, dass auf Luftbildern nach großen Brennnesselbeständen gesucht wurde, um an den Stellen nach Massengräbern nach den Weltkriegen zu schauen ... Die Brennnessel und ihre Geschichte und Symbolik Die Brennnessel hat eine lange Geschichte in der Welt der Spirits. Als Symbol für Stärke, Intuition und Weisheit wurde sie in vielen Kulturen verehrt. So war sie bei den Wikingern beispielsweise ein Symbol für Widerstandskraft und Schutz. Durch ihre Eigenschaft bei Berührung ein Brennen zu verursachen brachte ihr den Glauben ein, sie sei eine Pflanze für eine starke Abwehr gegen böse Geister und negative Einflüsse. Brennnesseln wurden als eine Art Schutzschild um den Hof oder in der Nähe der Haustür angepflanzt oder aufgehängt, um das Heim vor schädlichen Einflüssen und böse Geister zu bewahren. Aber auch das Tragen von einem Beutel mit getrockneten Brennnesseln oder das Räuchern von Brennnesselsamen (insbesondere in der Walpurgisnacht) galt als ein Schutz vor Teufel, Hexen, Geistern, Feuer und Blitzen. Die Brennnessel war den ganzen Frühling hindurch ein wichtiges Schutz- und Glückskraut: Brennnesselpfannkuchen am Johannistag gegessen, sollte vor dem Zauber von Elfen schützen. Man sagte auch, dass, wenn man Brennnesselgemüse am Gründonnerstag isst, man vor Geldsorgen geschützt ist. Im Frühling, der Zeit der Liebe und insbesondere zu Beltane wurde die Brennnessel ein Symbol für unerwiderte Liebe und es kam vor, dass manch einer sie als Liebesgeißel nutzte und sich damit peitschte.
von Anam Cara 22. März 2026
Lorsque je suis arrivé à Herbstein, j’ai eu l’impression que cet endroit m’accueillait comme une vieille amie. Dès mes premiers pas, une familiarité tranquille flottait dans l’air – presque comme si le sol lui-même reconnaissait mes pas. Je me suis plongé dans le charme hivernal et sombre de cette région, où le silence parle son propre langage et où chaque respiration me relie plus profondément à la terre. Au-dessus de moi, des grimpereaux, des mésanges et des moineaux chantaient – leurs voix étaient un doux salut du printemps à venir. Des écureuils s'affairaient entre les branches, et alors que l'obscurité enveloppait le jour, le cri d'une chouette m'a procuré un sentiment de calme et de sécurité. Cette nuit-là, un ciel d'une rare clarté s'est ouvert au-dessus du village de vacances. Les constellations semblaient me murmurer des histoires, et je sentais mes pensées s’envoler au loin – au-delà des forêts, vers des aspirations et des objectifs enfouis au plus profond de moi. Sous ce firmament scintillant, chaque mot, chaque sourire et chaque pensée semblait prendre tout son sens. Je sentais que tout ce qui est visible n’est qu’une partie d’un tissu plus vaste qui nous relie les uns aux autres. Ce tissu – aussi fin que la lumière dans la rosée du matin, aussi solide que les racines des vieux arbres – est devenu pour moi le symbole de notre thème : « Weaving the Web ». Je pouvais littéralement sentir comment les idées, les actions et les rencontres s’entremêlent pour former un réseau vivant : l’homme et la nature, le passé et l’avenir, le rêve et l’action. Chaque fil que nous tissons ensemble,apporte sa propre touche d'éclat à l'ensemble. Dans le sol gelé, j’ai déchiffré les traces du gibier – de discrets récits de la vie nocturne invisible, qui continue de suivre son cours dans un ordre silencieux. La rivière, sauvage et indomptable, délimitait un espace où la nature et l’homme peuvent respirer côte à côte. Je me suis laissée porter entre bosquets, sentiers enchantés et clairières ouvertes – des lieux qui invitent à s’attarder, à rêver et à écouter. Une énergie particulière et lumineuse imprégnait cet endroit. Je la sentais dans le vent, dans les branches, dans la mousse sous mes pieds. C'était comme si les gardiens de cette terre nous observaient d'un regard bienveillant – comme s'ils voulaient dire : « Vous êtes les bienvenus. » À la fin de notre cercle, un renard est apparu. Silencieux, vigilant, majestueux. Pour moi, il était un messager entre les mondes – l'animal totem de notre cercle, qui nous protégeait et me confirmait que nous étions sur la bonne voie. C’est ainsi que ce week-end de préparation à Herbstein m’a fait ses adieux, comme une compagne qui me chuchote : « Continue. » Je suis revenue en tant que membre d’une communauté qui relie le visible au mystérieux – avec en moi une étincelle porteuse d’idées, de confiance et de la certitude que chaque pas, aussi petit soit-il, fait partie d’un grand chemin commun. Anam Cara photo: Anna Oakflower
von Anam Cara 22. März 2026
When I arrived in Herbstein, it felt as though the place was welcoming me like an old friend. From the very first step, there was a quiet familiarity in the air – almost as if the ground itself recognised my footsteps. I immersed myself in the wintry, sombre charm of this land, where silence speaks its own language and every breath connects me more deeply with the earth. Above me, tree creepers, titmice and sparrows called out – their voices a quiet greeting of the coming spring. Squirrels scurried busily between the branches, and as darkness enveloped the day, the call of a tawny owl gave me a sense of peace and security. That night, a sky of rare clarity opened up above the holiday village. The constellations seemed to whisper stories to me, and I felt my thoughts drifting far away – beyond the forests, towards longings and goals that lie deep within me. Beneath this sparkling firmament, every word, every smile and every thought felt meaningful. I sensed that everything visible is merely part of a greater fabric that connects us all. This web – as delicate as the light in the morning dew, as strong as the roots of ancient trees – became for me a symbol of our theme: ‘Weaving the Web’. I could literally feel ideas, actions and encounters weaving themselves into a living web: humanity and nature, past and future, dream and deed. Every thread we spin together brings its own radiance to the whole. In the frozen ground, I read the tracks of the wildlife – quiet tales of the invisible life of the night, which continues to unfold in its silent order. The river, wild and unyielding, defined a space where nature and humanity are allowed to breathe side by side. I let myself drift amongst groves of trees, enchanted paths and open glades – places that invite one to linger, dream and listen. A peculiar, luminous energy permeated this place. I felt it in the wind, in the branches, in the moss beneath my feet. It was as though the guardians of this land were watching over us with a benevolent gaze – as if to say: “You are welcome.” As our circle drew to a close, a fox appeared. Quiet, alert, dignified. To me, it was a messenger between worlds – the spirit animal of our circle, protecting us and confirming to me that we are on the right path. And so this planning weekend in Herbstein bid me farewell like a companion whispering to me: “Keep going.” I returned as part of a community that connects the visible with the mysterious – with a spark within me that carries ideas, confidence and the knowledge that every step, however small, is part of a great shared journey. Anam Cara pictures: Anna Oakflower
von Tina Igelbrink 21. März 2026
Bärlauch Pflanzen Jahreskreis