Eine Geschichte zu Beltane

Ian Jonathan • 1. Mai 2024

Der Mond und das Ziehen, tief unten im Bauch...

Vor vielen vielen Sonnenumläufen erzählte meine Ururahne Aina in einem ihrer Traumgesichte dem Manne in ferner Zukunft von sich und das zu einem Zeitpunkte, da sie selber eine noch nicht erwachte Frau war: 


„ ... heute bin ich noch ein schon großes Mädchen, was noch nicht alles von dem weis‘, was Frauen wissen müssen, denn mein Mondblut hat noch nicht zu mir gesprochen. Wenn ich auch neugierig meinen Schwestern hinterher lauere, wenn sie stolz hinter ihrem Ritualbaum verschwinden – dorthin zu gehen ist mir noch immer nicht gestattet. 
Aber bald muß es doch so weit sein. So mager wie Eriaa um die Hüften ist, bin ich schon lange nicht mehr. Auch schmerzen die Pickel auf der Brust manchmal unter dem Fell des Hemdes und es sticht und kratzt schon oben zwischen den Beinen und es zieht so eigenartig. Dort, wo Mutter sagt, daß da auch das Geheimnis des Lebens sei.  
Erwachsenengeheimnisse – puuuh!“
Diese Worte wurde von Generation zu Generation in unserer Sippe weitergetragen und sie selber hat später beim Erzählen oftmals über diese kindliche Naivität gelacht. 

In all den vergangenen Zeiten bis auf heute haben uns unsere weisen Frauen immer wieder durch das Ritual des Erde-segnens, des Fruchtbarkeits-Segens geführt und dieses in jeglichem Jahr wieder mit uns allen zusammen – Frauen wie auch die Männer. Wenn auch in heutiger Zeit die Sonnengöttin einen Vorrang genießt, so stellte sich das Fruchtbarkeitsritual doch immer wieder auf den Urgrund unseres weiblichen, universalen Wesens – unseres Verwobenseins mit dem Nachtgestirn, welches, mal voll, mal dunkel, wachsend und wieder vergehend, seine Runden am Sternenzelte zieht.
Wir fühlen die Kraft dieses Gestirnes in uns. Tief in uns spüren wir es. Die einen voll Unruhe und Schmerz, die anderen voller Freude und Gelassenheit und dieses ihr ganzes mittleres Leben lang. Die Zusammenhänge waren uns fremd und wir machten uns auch kaum Gedanken darum, denn dieses Geschehen nahm uns jeden Mon(d)nat wieder gefangen. Erst später, erst viel, viel später in der Zeit wird man die Zyklen verstehen, welche uns fruchtbar machen und empfänglich für die männliche Kraft. Zu meiner Zeit kamen die Kinder durch die Göttinnen und Götter in unseren Leib hinein – der wirkliche Grund, meine späteren Freundinnen – auch der war uns noch fremd.

Ich wollte euch aber von Ainas Fruchtbarkeitsritual erzählen.
Nachdem die Frauen vor der Aussaat der Körner die Erde mit hakenförmigen Stöcken aufgelockert hatten und danach die kleinen grauen, wunderbaren Schiffchen der Fruchtbarkeit in die weiche Erde drückten, danach ließ die weise Frau ihre segensreichen Sprüche für Wachstum und gute Ernte über die Äcker hinwegfliegen: 
coorn unde fruuht korn und nahrung 
uuinde unde naaas unde sunna winde und regen und sonne   
nemeton nemeeaa himmel – heiliger hain  
uuerde volla riche voller reichtum werde

Das ruft sie, wenn die Mondfrau hoch am Himmel steht und das ruft sie wieder, wenn die Sonnengöttin über uns am Himmel entlangzieht. Und alle die Frauen, welche ihren Mondfluß haben, die stehen über den Feldern und segnen diese mit dem roten Wasser des Lebens, welches aus ihnen herausströmt. 
Wenn die Frauen also die Weihung der Felder vornehmen, stehen die Männer in weitem Kreise um sie herum und sie singen laut mit ihren tiefen Stimmen das Lob der Mütter und das Lob auf die Kräfte und die Stärke der großen Allmutter Sonne – denn es ist die Sonne, welche unsere Nahrung wachsen läßt und die den Jahreskreis immer wieder schließt und immer wieder öffnet – so, wie es die Erinnerungen und die Worte der Alten sagen: 
Sonne – Mutter, wärmende Mutter allen Lebens – Spenderin der Güte und der Güter, der Freude und des Seins.
Mondin – Spenderin des Lichtes in der Dunkelheit, Hüterin unserer Träume und unserer Fruchtbarkeit.
So kommt Heiliges zu Heiligem, Leben zu Leben und alle Fruchtbarkeit kehrt zu sich selbst und, zum Segen aller, in sich zurück. 
Ich werde nie verstehen, warum diese heiligen Handlungen in den Läufen der Zeit verkommen konnten und daß die Frauen, wenn der Mondfluß sich von ihnen löst, als unrein und unsauber betrachtet werden; daß sie sich bei einigen Völkern sogar absondern müssen von der Gemeinschaft. 
Und mit der Verdrängung solcher uralter Sitten werden nach und nach auch die Weisheit und die Lehren der Frauen verdrängt, verächtlich gemacht und vielfach sogar verschüttet, so daß ihr in eurer Zeit oftmals nur durch Märchen und Sagen von der Kraft der Weiblichkeit und ihren Segnungen erfahren könnt.     

So spricht auch die Neun-Zahl von unserem, weiblichen Leben selbst:
Die Neun, dreimal die Drei oder das Quadrat derer selbst. Auch eine heilige Zahl: 
die Quadratur des Geheimnisses der Fragen und der Aufgaben der Märchen, 
ein Drittel des Mondumlaufes, 
ein Drittel des weiblichen Zyklusses, 
Ende des einen und Beginn eines neuen Zyklusses, 
Erinnerung an die Perioden des Seins, 
an die Schwangerschaft, an das Gären des Blutes, 
an die Mondphasen und an die Geschöpfe der Nacht, 
an die Mondgöttinnen, die heute ihre Macht verloren zu haben scheinen, 
da fast niemand sich um ihre Erweckung kümmert. 
Die Neun führt Erinnerungen mit sich an den Umsturz der matriarchalischen Zustände hin zu beherrschenwollendem, kriegführendem, zerstörendem männlichem, patriarchalischem Denken und Handeln. Trauer klingt auf in den Wissenden und Sehenden beiderlei Geschlechtes, daß die Zeit der Mütterlichkeit, die mütterlich schützende Gesinnung, die schöpfende, erhaltende Liebe, die verstehende, sich an den Naturläufen orientierende und dort verhaftete Denk- und Handlungsweise vernichtet, verschüttet wurde und Platz machen mußte einer männlichen, vernünftigen?, gewalttätigen Denkweise, hervorgerufen auch durch deren egozentrische, ja, fast narzistische, in Abwehr und Verabscheuung alles Weiblichen gipfelnde (siehe die Kurie mit ihrer antiweiblichen, weiblich-feindlichen, dem Weibe gegenüber überängstlichen, fast homo- und auch pädophilen) Einstellung. 
Eine Einstellung, die nicht mütterlich bewahrend, sondern in den Jahrtausenden sich bewiesen hat als zerstörend, kraftmeiernd, herrschend, beherrschenwollend, sich bewiesen hat als auch auf Streit und Vernichtung ausseiendes männliches Denken und Handeln - bis in unsere Tage, Stunden, Minuten und Sekunden hinein und wahrscheinlich auch noch weit über diese hinaus.  
Und es täte die Rückerinnerung auf eine matriarchalische Gesinnung gut, ohne aber auf die Militanz zu reflektieren, welche beider Seiten wohl unwürdig ist. Verstehende aller Länder - vereinigt euch - auch im Geiste, vor allem in diesem. 

Ja, Freundinnen in der Zukunft.
Wenn es auch ein weiter Bogen war, den ich hier gespannt habe, so kommen mir solche Gedanken stets in den Sinn, wenn ich den Mond betrachte, ich mich den Göttinnen der Nachtgestirne unterwerfe, dann, wenn ich das Ziehen verspüre – tief unten in meinem Bauch.
euere Aina aus den vergangenen jahrhunderten


ian-jonathan der weiße schatten-gesichte hat

[C] 01.Hornung 2009
(mit Auszügen aus der Novelle „...und träum nicht immer, Aina“)

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Ja, ich weiß: Spricht man von Beltane oder der Walpurgisnacht kommt einem sofort die Maibowle und der Waldmeister in den Sinn. Ich möchte hier aber ein weiteres Kraut vorstellen, dass mit dem Fest der Fruchtbarkeit in Verbindung steht: Die Brennnessel Nicht nur, weil sie zu dem Zeitpunkt in voller Kraft steht und frisches Grün liefert, sondern auch, weil es aus den Getränken – in diesem Falle Bier – verschwunden ist, weil es ein „Feuer in den Lenden“ hervorrufen soll ... wenn das nicht zu Beltane passt ... aber dazu später mehr. Die Brennnessel als Pflanze Die Brennessel (Urtica dioica), auch Große Brennnessel genannt, aus der Familie der Brennnesselgewächse ist, wie der lateinische Name schon andeutet zweihäusig. Dass heißt, es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Wer also die wunderbaren Brennnesselsamen im Spätsommer ernten möchte, halte nach den weiblichen Pflanzen Ausschau, die dann an den vollgepackten herabhängenden Samensträngen erkennbar sind. Der Gattungsname der Brennnessel leitet sich dabei vom lateinischen Wort „urere“ (= brennen) ab und verweist auf die Brennhaare der Pflanze, die beim Kontakt mit der Haut Schmerzen und Quaddeln verursachen. Andere Namen dieser altbekannten Heilpflanze sind auch Hanfnessel, Saunessel, Donnernessel, Feuerkraut oder Teufelskraut. Brennnessel-Arten sind windbestäubt und sind keine Nektarpflanzen für Insekten. Aber dafür sind Brennnesseln eine sehr wichtige Futterpflanze für Schmetterlingsraupen. Für die Raupen von fast 50 Schmetterlingsarten sind die Brennnesseln eine Futterpflanze. Die Schmetterlingsarten wie der Admiral, das Tagpfauenauge, der Kleine Fuchs, den man auch Nesselfalter nennt, und das Landkärtchen sind beispielsweise auf die Brennnessel angewiesen, denn andere Pflanzenarten kommen für diese Arten als Futterpflanze nicht in Betracht. In Deutschland kommen noch die Kleine Brennnessel (ihre Brennhaare sind schmerzhafter finde ich), die Röhricht-Brennnessel und die Pillen-Brennnessel vor. Alle Arten werden in ähnlicher Weise genutzt. Es ist schwierig, die Brennnessel mit anderen Pflanzen zu verwechseln, da ihre Eigenschaft mit Brennhaaren ausgestattet zu sein spätestens beim Pflücken bemerkt wird. Wird man nicht mit Schmerzen begrüßt, hat man wahrscheinlich die Taubnessel erwischt, die ebenfalls essbar ist, aber medizinisch anders verwendet wird. Die Brennnessel kommt weltweit vor (mit Ausnahme der Antarktis). Ein starker Brennnesselbestand gilt allgemein als Zeiger für einen stickstoffreichen Boden. Man findet sie daher auf früher besiedelten Gebieten, weil es dort zu einer größeren Ansammlung von stickstoffhaltigen Substanzen wie Kompost, Exkrementen und dergleichen kam. Ihre Eigenschaft als Stickstoffanzeiger führte allerdings auch dazu, dass auf Luftbildern nach großen Brennnesselbeständen gesucht wurde, um an den Stellen nach Massengräbern nach den Weltkriegen zu schauen ... Die Brennnessel und ihre Geschichte und Symbolik Die Brennnessel hat eine lange Geschichte in der Welt der Spirits. Als Symbol für Stärke, Intuition und Weisheit wurde sie in vielen Kulturen verehrt. So war sie bei den Wikingern beispielsweise ein Symbol für Widerstandskraft und Schutz. Durch ihre Eigenschaft bei Berührung ein Brennen zu verursachen brachte ihr den Glauben ein, sie sei eine Pflanze für eine starke Abwehr gegen böse Geister und negative Einflüsse. Brennnesseln wurden als eine Art Schutzschild um den Hof oder in der Nähe der Haustür angepflanzt oder aufgehängt, um das Heim vor schädlichen Einflüssen und böse Geister zu bewahren. Aber auch das Tragen von einem Beutel mit getrockneten Brennnesseln oder das Räuchern von Brennnesselsamen (insbesondere in der Walpurgisnacht) galt als ein Schutz vor Teufel, Hexen, Geistern, Feuer und Blitzen. Die Brennnessel war den ganzen Frühling hindurch ein wichtiges Schutz- und Glückskraut: Brennnesselpfannkuchen am Johannistag gegessen, sollte vor dem Zauber von Elfen schützen. Man sagte auch, dass, wenn man Brennnesselgemüse am Gründonnerstag isst, man vor Geldsorgen geschützt ist. Im Frühling, der Zeit der Liebe und insbesondere zu Beltane wurde die Brennnessel ein Symbol für unerwiderte Liebe und es kam vor, dass manch einer sie als Liebesgeißel nutzte und sich damit peitschte.
von Anam Cara 22. März 2026
Lorsque je suis arrivé à Herbstein, j’ai eu l’impression que cet endroit m’accueillait comme une vieille amie. Dès mes premiers pas, une familiarité tranquille flottait dans l’air – presque comme si le sol lui-même reconnaissait mes pas. Je me suis plongé dans le charme hivernal et sombre de cette région, où le silence parle son propre langage et où chaque respiration me relie plus profondément à la terre. Au-dessus de moi, des grimpereaux, des mésanges et des moineaux chantaient – leurs voix étaient un doux salut du printemps à venir. Des écureuils s'affairaient entre les branches, et alors que l'obscurité enveloppait le jour, le cri d'une chouette m'a procuré un sentiment de calme et de sécurité. Cette nuit-là, un ciel d'une rare clarté s'est ouvert au-dessus du village de vacances. Les constellations semblaient me murmurer des histoires, et je sentais mes pensées s’envoler au loin – au-delà des forêts, vers des aspirations et des objectifs enfouis au plus profond de moi. Sous ce firmament scintillant, chaque mot, chaque sourire et chaque pensée semblait prendre tout son sens. Je sentais que tout ce qui est visible n’est qu’une partie d’un tissu plus vaste qui nous relie les uns aux autres. Ce tissu – aussi fin que la lumière dans la rosée du matin, aussi solide que les racines des vieux arbres – est devenu pour moi le symbole de notre thème : « Weaving the Web ». Je pouvais littéralement sentir comment les idées, les actions et les rencontres s’entremêlent pour former un réseau vivant : l’homme et la nature, le passé et l’avenir, le rêve et l’action. Chaque fil que nous tissons ensemble,apporte sa propre touche d'éclat à l'ensemble. Dans le sol gelé, j’ai déchiffré les traces du gibier – de discrets récits de la vie nocturne invisible, qui continue de suivre son cours dans un ordre silencieux. La rivière, sauvage et indomptable, délimitait un espace où la nature et l’homme peuvent respirer côte à côte. Je me suis laissée porter entre bosquets, sentiers enchantés et clairières ouvertes – des lieux qui invitent à s’attarder, à rêver et à écouter. Une énergie particulière et lumineuse imprégnait cet endroit. Je la sentais dans le vent, dans les branches, dans la mousse sous mes pieds. C'était comme si les gardiens de cette terre nous observaient d'un regard bienveillant – comme s'ils voulaient dire : « Vous êtes les bienvenus. » À la fin de notre cercle, un renard est apparu. Silencieux, vigilant, majestueux. Pour moi, il était un messager entre les mondes – l'animal totem de notre cercle, qui nous protégeait et me confirmait que nous étions sur la bonne voie. C’est ainsi que ce week-end de préparation à Herbstein m’a fait ses adieux, comme une compagne qui me chuchote : « Continue. » Je suis revenue en tant que membre d’une communauté qui relie le visible au mystérieux – avec en moi une étincelle porteuse d’idées, de confiance et de la certitude que chaque pas, aussi petit soit-il, fait partie d’un grand chemin commun. Anam Cara photo: Anna Oakflower
von Anam Cara 22. März 2026
When I arrived in Herbstein, it felt as though the place was welcoming me like an old friend. From the very first step, there was a quiet familiarity in the air – almost as if the ground itself recognised my footsteps. I immersed myself in the wintry, sombre charm of this land, where silence speaks its own language and every breath connects me more deeply with the earth. Above me, tree creepers, titmice and sparrows called out – their voices a quiet greeting of the coming spring. Squirrels scurried busily between the branches, and as darkness enveloped the day, the call of a tawny owl gave me a sense of peace and security. That night, a sky of rare clarity opened up above the holiday village. The constellations seemed to whisper stories to me, and I felt my thoughts drifting far away – beyond the forests, towards longings and goals that lie deep within me. Beneath this sparkling firmament, every word, every smile and every thought felt meaningful. I sensed that everything visible is merely part of a greater fabric that connects us all. This web – as delicate as the light in the morning dew, as strong as the roots of ancient trees – became for me a symbol of our theme: ‘Weaving the Web’. I could literally feel ideas, actions and encounters weaving themselves into a living web: humanity and nature, past and future, dream and deed. Every thread we spin together brings its own radiance to the whole. In the frozen ground, I read the tracks of the wildlife – quiet tales of the invisible life of the night, which continues to unfold in its silent order. The river, wild and unyielding, defined a space where nature and humanity are allowed to breathe side by side. I let myself drift amongst groves of trees, enchanted paths and open glades – places that invite one to linger, dream and listen. A peculiar, luminous energy permeated this place. I felt it in the wind, in the branches, in the moss beneath my feet. It was as though the guardians of this land were watching over us with a benevolent gaze – as if to say: “You are welcome.” As our circle drew to a close, a fox appeared. Quiet, alert, dignified. To me, it was a messenger between worlds – the spirit animal of our circle, protecting us and confirming to me that we are on the right path. And so this planning weekend in Herbstein bid me farewell like a companion whispering to me: “Keep going.” I returned as part of a community that connects the visible with the mysterious – with a spark within me that carries ideas, confidence and the knowledge that every step, however small, is part of a great shared journey. Anam Cara pictures: Anna Oakflower
von Tina Igelbrink 21. März 2026
Bärlauch Pflanzen Jahreskreis
von Anam Cara 17. März 2026
vAls ich in Herbstein ankam, fühlte es sich an, als würde mich der Ort wie eine alte Freundin empfangen. Schon beim ersten Schritt lag eine stille Vertrautheit in der Luft – fast so, als erkenne der Boden selbst meine Schritte. Ich tauchte ein in den winterlich-düsteren Charme dieses Landes, wo die Stille ihre eigene Sprache spricht und jeder Atemzug mich tiefer mit der Erde verbindet. Über mir riefen Baumläufer, Meisen und Spatzen – ihre Stimmen ein leiser Gruß des kommenden Frühlings. Eichhörnchen huschten geschäftig zwischen den Zweigen, und als die Dunkelheit den Tag umhüllte, schenkte mir der Ruf eines Waldkauzes ein Gefühl von Ruhe und Geborgenheit. In jener Nacht öffnete sich über dem Feriendorf ein Himmel von seltener Klarheit. Die Sternbilder schienen mir Geschichten zuzuflüstern, und ich spürte, wie meine Gedanken weit hinausdrifteten – über die Wälder hinweg, hin zu Sehnsüchten und Zielen, die tief in mir liegen. Unter diesem funkelnden Firmament fühlte sich jedes Wort, jedes Lächeln und jeder Gedanke bedeutungsvoll an. Ich spürte, dass alles Sichtbare nur Teil eines größeren Gewebes ist, das uns miteinander verbindet. Dieses Gewebe – fein wie das Licht im Morgentau, stark wie die Wurzeln alter Bäume – wurde für mich zum Sinnbild unseres Themas: „Weaving the Web“. Ich konnte förmlich fühlen, wie sich Ideen, Handlungen und Begegnungen zu einem lebendigen Netz verweben: Mensch und Natur, Vergangenheit und Zukunft, Traum und Tat. Jeder Faden, den wir gemeinsam spinnen, trägt seinen eigenen Glanz in das Ganze. Im gefrorenen Boden las ich die Spuren des Wildes – leise Erzählungen vom unsichtbaren Leben der Nacht, das in seiner stillen Ordnung weiterwirkt. Der Fluss, wild und unbeugsam, begrenzte dabei einen Raum, in dem Natur und Mensch nebeneinander atmen dürfen. Ich ließ mich treiben zwischen Baumgruppen, verwunschenen Pfaden und offenen Lichtungen – Orte, die zum Verweilen, Träumen und Lauschen einladen. Eine eigentümliche, helle Energie durchzog diesen Ort. Ich spürte sie im Wind, in den Ästen, im Moos unter meinen Füßen. Es war, als beobachteten uns die Hüter dieses Landes mit einem wohlwollenden Blick – als wollten sie sagen: „Ihr seid willkommen.“ Beim Abschluss unseres Kreises erschien ein Fuchs. Leise, wachsam, würdevoll. Für mich war er ein Bote zwischen den Welten – das Krafttier unseres Kreises, das uns schützte und mir bestätigte, dass wir auf dem richtigen Weg sind. So verabschiedete mich dieses Planungswochenende in Herbstein wie eine Gefährtin, die mir zuflüstert: „Geh weiter.“ Ich kehrte zurück als Teil einer Gemeinschaft, die das sichtbare mit dem geheimnisvollen verbindet – mit einem Funken in mir, der Ideen, Zuversicht und das Wissen trägt, dass jeder noch so kleine Schritt Teil eines großen gemeinsamen Weges ist. Anam Cara
imbolc
von Tina Igelbrink 1. Februar 2026
imbolc - pflanzen zum Jahreskreisfest
von Tina Hollerspinne 20. Dezember 2025
Man spürt schon, dass etwas in der Luft liegt. Es ist kalt und dunkel. Man möchte sich am Liebsten Zuhause einmummeln mit einem Gewürztee und wenn man hat: An einer Feuerstelle. Das moderne Leben sieht jedoch meist ganz anders aus. Dabei wäre es gerade jetzt zurzeit des Rückzugs der Natur wichtig, selbst auch zur Ruhe zu kommen. Damit das im stressigen Alltag mit Familie, Arbeit und geschäftigem Treiben möglich ist, muss man erstmal wissen, was man eigentlich gerade braucht. Oft ist es gar nicht so viel…. Einfach mal nur atmen, langsam, ein und aus, ... und dann spüren, was höre ich? Was fühle ich? Was rieche ich? Was sehe ich? Kann ich was schmecken? Und dann weiterfragen: Wie geht es mir gerade? Wo drückt gerade der Schuh? Was beschäftigt mich gerade? Was möchte ich jetzt in diesem Moment tun? Was brauche ich jetzt gerade? Das muss gar nicht viel groß und wundervoll sein…. Bei mir ist es oft einfach nur ein kurzes Durchatmen, das mir hilft mich in dieser Zeit nicht selbst zu verlieren. Oder das Radio und die Musik, das Geplapper der Welt ausschalten. Die Gewürze beim Backen mal intensiv wahrnehmen. Manchmal brauche ich mehr: Eine Tasse warmen Tee und eine leuchtende Kerze. Diese kleinen Auszeiten können so viel Kraft schenken.
von Tina I. 3. Dezember 2025
Endlich war es wieder so weit: Ein Treffen von Druiden in entspannter Umgebung. Für den Ritualworkshop II von Matt McCabe und Anna Oakflower Ende November 2025 machten sich Druiden aus alles Himmelsrichtungen auf, um sich im ruhigen bayrischen Örtchen namens Voitmannsdorf auf dem Avena-Hof zu versammeln, um gemeinsam Rituale zu gestalten. Als wir am Freitagabend ankamen, herrschte ein wirbeliges Treiben bis sich alle gegenseitig begrüßt und herzlich umarmt hatten, so als hätte man sich vor Jahren das letzte Mal gesehen. Wunderbar. Noch bevor zum Abendessen gerufen wurde, versammelten wir uns im Seminarraum, der mit einer schönen Mitte gestaltet war. Diese ließ schon darauf schließen, was uns in den nächsten Tagen beschäftigen sollte Es ging darum, die drei keltischen Reiche Himmel, Land und Meer mit allen Sinnen zu erleben und sie in einem Ritual für alle erfahrbar zu machen. Keine so leichte Aufgabe wie man zunächst glaubt. Die Aufregung wurde zunächst groß, als das erneute betreten des Seminarraums von den beiden Kursleitern besonders berührend und mit bedecktem Haupt von statten ging. Umso fokussierter und ruhiger war es nach dem Ritual dann im Raum, erfüllt von den geflüsterten Worten und der besonderen Stimmung. Nach einer Vorstellungsrunde, in der der Fokus auf die Verbindung zum eigenen Wohnort lag, ging es zum Essen, wo man sich weiter austauschen konnte. Mit wunderbarem Essen im Magen und vielen neuen Geschichten im Ohr ging es noch einmal in den Seminarraum für weitere Aufgaben. So ging ein langer Tag zu Ende.