Man spürt schon, dass etwas in der Luft liegt. Es ist kalt und dunkel. Man möchte sich am Liebsten Zuhause einmummeln mit einem Gewürztee und wenn man hat: An einer Feuerstelle. Das moderne Leben sieht jedoch meist ganz anders aus. Dabei wäre es gerade jetzt zurzeit des Rückzugs der Natur wichtig, selbst auch zur Ruhe zu kommen. Damit das im stressigen Alltag mit Familie, Arbeit und geschäftigem Treiben möglich ist, muss man erstmal wissen, was man eigentlich gerade braucht. Oft ist es gar nicht so viel…. Einfach mal nur atmen, langsam, ein und aus, ... und dann spüren, was höre ich? Was fühle ich? Was rieche ich? Was sehe ich? Kann ich was schmecken? Und dann weiterfragen: Wie geht es mir gerade? Wo drückt gerade der Schuh? Was beschäftigt mich gerade? Was möchte ich jetzt in diesem Moment tun? Was brauche ich jetzt gerade? Das muss gar nicht viel groß und wundervoll sein…. Bei mir ist es oft einfach nur ein kurzes Durchatmen, das mir hilft mich in dieser Zeit nicht selbst zu verlieren. Oder das Radio und die Musik, das Geplapper der Welt ausschalten. Die Gewürze beim Backen mal intensiv wahrnehmen. Manchmal brauche ich mehr: Eine Tasse warmen Tee und eine leuchtende Kerze. Diese kleinen Auszeiten können so viel Kraft schenken.
Endlich war es wieder so weit: Ein Treffen von Druiden in entspannter Umgebung. Für den Ritualworkshop II von Matt McCabe und Anna Oakflower Ende November 2025 machten sich Druiden aus alles Himmelsrichtungen auf, um sich im ruhigen bayrischen Örtchen namens Voitmannsdorf auf dem Avena-Hof zu versammeln, um gemeinsam Rituale zu gestalten. Als wir am Freitagabend ankamen, herrschte ein wirbeliges Treiben bis sich alle gegenseitig begrüßt und herzlich umarmt hatten, so als hätte man sich vor Jahren das letzte Mal gesehen. Wunderbar. Noch bevor zum Abendessen gerufen wurde, versammelten wir uns im Seminarraum, der mit einer schönen Mitte gestaltet war. Diese ließ schon darauf schließen, was uns in den nächsten Tagen beschäftigen sollte Es ging darum, die drei keltischen Reiche Himmel, Land und Meer mit allen Sinnen zu erleben und sie in einem Ritual für alle erfahrbar zu machen. Keine so leichte Aufgabe wie man zunächst glaubt. Die Aufregung wurde zunächst groß, als das erneute betreten des Seminarraums von den beiden Kursleitern besonders berührend und mit bedecktem Haupt von statten ging. Umso fokussierter und ruhiger war es nach dem Ritual dann im Raum, erfüllt von den geflüsterten Worten und der besonderen Stimmung. Nach einer Vorstellungsrunde, in der der Fokus auf die Verbindung zum eigenen Wohnort lag, ging es zum Essen, wo man sich weiter austauschen konnte. Mit wunderbarem Essen im Magen und vielen neuen Geschichten im Ohr ging es noch einmal in den Seminarraum für weitere Aufgaben. So ging ein langer Tag zu Ende.
1. Eine moderne Geschichte: Die Nacht des Übergangs Der Nebel kam früh an diesem Tag. Schon am Nachmittag legte er sich über die Hügel der Buckligen Welt, wie ein stilles Meer aus silbrigem Atem. Die Sonne schien müde, und die Erde roch nach feuchtem Laub und Rauch. Bria zog den Mantel enger um sich und stieg den alten Hohlweg hinauf, der zum Waldrand führte. In ihrer Hand trug sie eine kleine Laterne, in der das Licht flackerte – nicht stark, aber beständig. Seit Kindheitstagen kannte sie diesen Weg. Früher war sie mit ihrem Großvater hier gewesen, um „die Ahnen zu grüßen“, wie er es nannte. Damals hatte sie es nicht verstanden – warum man in der Dunkelheit hinausgeht, wenn alle anderen sich ins Warme zurückziehen. Heute wusste sie es besser. Es war der Abend von Samhain, der Nacht, in der die Schleier dünn werden. In der man die Stimmen hört, die sonst im Wind verwehen. In der man sich erinnert, woher man kommt – und was man loslassen darf. Bria stellte die Laterne am Waldrand ab. Der Wind trug das Rascheln der Buchenblätter zu ihr, das ferne Rufen eines Käuzchens, das Schnaufen des Bodens, der sich unter der Kälte spannte. Sie nahm einen kleinen Stein aus der Tasche – glatt und rund, ein Stück Bergkristall, das sie tagsüber am Bach gefunden hatte. Er fühlte sich kühl an, doch zugleich lebendig, als würde er die Schwingung des Ortes in sich tragen. „Für das, was war“, flüsterte sie, und legte den Stein ins Moos. Dann zog sie ein zweites kleines Stück hervor: ein Federchen, das sie auf dem Dachboden gefunden hatte, zwischen alten Spindeln und vergilbten Leinen – eine Gänsefeder. Sie erinnerte sie an ihre Großmutter, die einst in den Rauhnächten Geschichten von der Percht erzählt hatte, der Weißen Frau, die mit den Wildgänsen zieht und die Spinnerinnen prüft. „Für das, was kommen darf“, sagte Bria und legte die Feder neben den Stein. Für einen Moment geschah nichts. Nur der Nebel bewegte sich, fließend und lebendig, als atme der Wald selbst. Dann aber glaubte sie, eine Bewegung zu sehen – nicht vor, sondern im Nebel. Ein Schemen, eine Silhouette. Ein Gesicht, das aus Licht und Schatten gewebt war. Bria erschrak nicht. Etwas in ihr erkannte diese Gestalt, lange bevor der Verstand es konnte. Die Frau im Nebel trug ein weißes Gewand, das wie Frost glitzerte, und in ihren Händen eine Spindel, auf der das Licht selbst gesponnen schien. Ihre Augen blickten tief, so alt wie das Land, und doch voller Güte. „Perchta …“ flüsterte Bria, kaum hörbar. Die Gestalt neigte den Kopf, fast wie im Gruß. Dann sprach sie – nicht mit Worten, sondern mit einem Klang, der im Innersten vibrierte: „Du gehst, wo zwei Welten sich berühren. Vergiss nicht: Das Ende ist der Anfang, und Dunkelheit ist nur das Kleid des Lichts.“ Ein leiser Wind erhob sich, trug den Nebel fort – und die Gestalt war verschwunden. Nur die Laterne flackerte weiter. Bria blieb noch lange dort stehen, bis der Mond sich zeigte – ein fahles, rundes Auge über den Hügeln. Sie wusste, dass dies kein Traum gewesen war. Samhain hatte ihr die Schwelle geöffnet, und Perchta war hindurchgetreten – als Zeichen, als Erinnerung, als Segen.